„Natürlich haben wir Rassismus bei der Polizei“


Foto: ARD Opferanwalt Mehmet Gürcan Daimagüler hält von der Aussage Zschäpes gar nichts
Anne Wills Gäste analysieren die Aussage von Beate Zschäpe. „Das schlechte Script einer zweitklassigen Soap“, urteilt ein Opferanwalt – und wirft der Polizei „institutionalisierten Rassismus“ vor.

Von Alexander Jürgs|DIE WELT

Was ist die Aussage von Beate Zschäpe wert? In der Runde bei Anne Will versuchten die Gäste, dieser Frage nachzugehen. Der Anwalt Mehmet Gürcan Daimagüler, der im NSU-Prozess zwei Opferfamilien als Nebenkläger vertritt, machte aus seiner Verachtung keinen Hehl. Ihn und seine Mandanten hätten die Äußerungen frustriert und entsetzt. „Was wir hier vorgesetzt bekommen haben, das fand ich einfach gruselig“, sagt er. Als „schlechtes Script einer zweitklassigen Soap“, als „Geschreibsel von Anwälten“ benennt er die Erklärung. Die Chance, den Opfern wirkliche Antworten auf ihre Fragen zu liefern, sei vertan, so Daimagüler.

Als strategisch und taktisch wurde die 53 Seiten starke Aussage, die die mutmaßliche NSU-Terroristin durch ihren Anwalt Mathias Grasel verlesen ließ, gewertet. Zschäpe scheint es vor allem um Strafminderung zu gehen, davon gehen die Kommentatoren aus. „Die Erwartungshaltung war hoch, der Erkenntnisgewinn gleich null“, fasst es der CDU-Politiker Clemens Binninger, der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses „Terrorgruppe NSU II“ im Bundestag, zusammen.

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