Traditionen untergraben Menschenrechte in Indien


Gläubige während des hinduistischen Festes Kumbha (Kumbh) Mela. (imago/GranAngular)
Laut Verfassung sind alle Menschen in Indien vor dem Gesetz gleich, das Land gilt als die größte Demokratie der Welt. Dennoch werden rund 160 Millionen Hindus weiterhin als unrein herabgewürdigt. Das habe auch mit Religion zu tun, sagen Wissenschaftler.

Von Antje Stiebitz|Deutschlandradio Kultur

Die indische Verfassung ist in ihren Grundzügen eine britische. Menschenrechte wie Gleichheit vor dem Gesetz und die Nichtdiskriminierung aufgrund von Religion, Rasse, Kaste, Geschlecht oder Herkunft sind im Grundrechtekatalog verankert. Der Artikel 17 schaffte 1955 die Kaste der Unberührbaren ab und stellte die Benachteiligung von Unberührbaren unter Strafe. Dennoch werden in Indien rund 160 Millionen Hindus weiterhin als unrein herabgewürdigt. Widerspricht der westliche Gleichheitsgedanke dem indischen Menschenbild?

Die Gesellschaft in Indien, so bescheinigen es Wissenschaftler jeder Couleur, ist durch den Homo Hierarchicus geprägt. Wie dieser hierarchische Mensch handelt, bestimmen die Rangordnung innerhalb seiner Familie und die Normen seiner Kaste. Die Religionswissenschaftlerin Katharina Kakar und der Psychoanalytiker Sudhir Kakar erklären diese hierarchischen Verhältnisse so:

Zitat: „Der ‚Höhergestellte‘ verhält sich mit fast mütterlicher Fürsorge, der ihm ‚Untergeordnete‘ mit Entgegenkommen und Respekt, auf beiden Seiten herrscht ein Gefühl enger Zusammengehörigkeit.“

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