Wendelstein 7-X: Fusionsforscher bändigen in Greifswald die Sonnenkraft


Das ist das 725 Tonnen schwere, ringförmige Plasmagefäß für das Kernfusionsexperiment „Wendelstein 7-X“. Foto: dpa
Die Sonne auf die Erde holen und damit die Energieprobleme der Menschheit lösen – das ist der Traum von Fusionsforschern. In Greifswald ist man diesem Traum jetzt ein Stück näher gekommen.

Von Frank Grotelüschen|Berliner Zeitung

Die Magnete sind kalt, das Reaktionsgefäß luftleer gepumpt, der stärkste Mikrowellenofen der Welt steht parat. Projektleiter Thomas Klinger startet den Countdown. Bei „zehn“ stimmen Mitarbeiter und geladene Forscherprominenz mit ein. Der Mikrowellenofen feuert in das große, reifenförmige Vakuumgefäß, und Sekunden später huscht über einen der Bildschirme ein kurzes Flackern. Klinger und seine Kollegen brechen in Jubel aus: Im vorpommerschen Greifswald hat das Fusionsexperiment Wendelstein sein erstes Plasma gezündet.

Plasma schwebt im Magnetkäfig

Die Szene, die sich am Donnerstag in der Versuchsanlage Wendelstein 7-X in Greifswald abspielte, bedeutet einen Durchbruch nach fast zwanzig Jahren Arbeit. So lange tüfteln Forscher bereits an dem haushohen Versuchsaufbau. Wendelstein dient der Erforschung der Kernfusion – einer möglichen Energiequelle der Zukunft. Wie im Inneren der Sonne soll Wasserstoff unter Temperaturen von vielen Millionen Grad Celsius zu Helium verschmelzen. Aus der freiwerdenden Energie ließe sich Strom gewinnen. Ein Fusionskraftwerk könnte mit einem Gramm Brennstoff so viel Energie erzeugen wie andere mit elf Tonnen Kohle.

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2 Comments

  1. Solche „Durchbrüche“ ganz es schon vor Jahrzehnten während meines Physikstudiums. Wir haben damals schon gescherzt, dass es eine Fusionsreaktor-Konstante sei, der Erfolg sei nur noch 25 Jahre entfernt. Und das ist anscheinend auch heute noch so.

    Werden wir irgendwann Fusionsreaktoren haben? Vermutlich ja. Aber ich bin sicher, sie werden nicht die Lösung des heutigen Energieproblems sein.

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