„Werdet Muslime, oder wir schlagen euch den Kopf ab“


Foto: Constanze Reuscher Wurde vom IS als Geisel gehalten: Pater Jacques Mourad
Der syrische Priester Jacques Mourad war fünf Monate in IS-Geiselhaft. Vor wenigen Wochen wurde er befreit. Er ist sich sicher: Über sein Schicksal entschied Abu Bakr al-Baghdadi persönlich.

Von Constanze Reuscher|DIE WELT

Er faltet die Hände, dann gestikuliert er plötzlich wild. Er lacht, aber dann sacken spontan die Schultern herunter und sein Blick wird ernst, dunkel, traurig. Er möchte in seiner arabischen Muttersprache sprechen, dann aber doch lieber auf Französisch, das klingt hier in Rom vertraulicher. Pater Jacques Mourad berichtet zum ersten Mal ausführlich von den fünf Monaten in der Geiselhaft des Islamischen Staats (IS). Man merkt ihm in jedem Moment des fast 90 Minuten dauernden Gesprächs an, wie schwer ihm das fällt. „Ich hatte ja schon mit dem Leben abgeschlossen“, sagt er. „Unsere Kerkermeister versuchten, uns in jeder Weise zu erniedrigen, sie beleidigten und beschimpften uns und drohten: ‚Werdet Muslime, ihr Ungläubigen, oder wir schlagen euch den Kopf ab!'“

Am 21. Mai war der syrisch-katholische Pater Mourad aus dem Kloster Mar Elian in der Stadt Karjatain gemeinsam mit einem Mitbruder von mehreren Vermummten entführt worden. Nach einer tagelangen Odyssee durch die Wüste, die Augen immer verbunden, erreichten sie die IS-Kapitale Raqqa. „Während der Reise hatte ich cholerische Anfälle.“ So wütend war er über die Situation. „Ich dachte: Jetzt ist es vorbei.“ Doch in Raqqa warf man „uns Geiseln vorerst in ein Klo, um uns zu erniedrigen. Nur, das tat uns nichts. Die Erniedrigung ist ja Teil unserer christlichen Berufung.“ Es habe ihm Mut gemacht, neue Kraft verliehen.

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