Unsere Werte?


Es gibt eine Verschiebung im Allheilmitteldiskurs. Ob es darum geht, die Fremdheit der Flüchtlinge zu überbrücken. Ob es um „Parallelgesellschaften“ geht (wie bei dem Verdacht gegen islamische Kindergärten in Wien). Helfen sollen unsere Werte. Davor führte die Bildung. Heute ist es das Einschwören auf die Werte.

Von Isolde Charim|WIENER ZEITUNG

Wie das gehen soll, das Einschwören, ist dabei noch unklar. Sollen sie angeboten werden oder eingebläut? Geht es um Umerziehung, Gehirnwäsche? Umcodierung, Überzeugung, Verführung? Die Werte werden hervorgeholt wie ein Fetisch, eine Beschwörungsformel, um das abzuwehren, was da an Fremdheit auftaucht.

Aber die Veränderung, die mit „Integration“ nur unzureichend umschrieben ist, beginnt weit davor. Sie beginnt weit vor der Übernahme von Inhalten – ob Frauenemanzipation, Menschenrechte oder Homosexuellenehe. „Integration“ ist ein Vorgang, der sich nicht auf der Ebene der Inhalte vollzieht.

Grundlage der Integration ist das Aufeinandertreffen unterschiedlicher Kulturen, Religionen, die sich nunmehr eine Gesellschaft teilen sollen. Grundlage der Integration ist also das Faktum der Pluralisierung. Das ist nicht paradox. Denn Pluralisierung macht etwas. Mit uns allen.

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