Äthiopische Juden: Wieder „jüdisch genug“ für ein Leben in Israel


Der äthiopische Knesset-Abgeordnete Avraham Neguse. (Florian Elsemüller)
Jahrzehntelang bemühten sich israelische Regierungen, die Juden Äthiopiens „zurück“ nach Israel zu holen. Rund 100.000 wanderten ein – bis es vor zwei Jahren auf einmal hieß, sie seien „nicht jüdisch genug“. Ein äthiopischer Knesset-Abgeordneter ging dagegen an – mit Erfolg. Weitere 9.000 Äthiopier dürfen jetzt kommen, müssen aber noch einmal zum Judentum konvertieren.

Von Florian Elsemüller|Deutschlandfunk

Gerade hat Avraham Neguse noch in der Knesset gesprochen, fünf Minuten später steigt er schon ins Auto. Eine Stunde fährt er in Richtung Süden, nach Sderot, an die Grenze zum Gaza-Streifen. Zwei Assistenten hat Neguse im Auto, aber er fährt selbst. In Sderot angekommen, leitet Neguse eine Ausschusssitzung. Sie diskutieren, wie Einwanderer im Süden Israels besser integriert werden können.

Einwanderer sind sein Thema, insbesondere Juden aus Äthiopien – so wie er selbst einer ist. Vor zwei Jahren war Neguse schockiert, als die israelische Regierung erklärte, es seien bereits alle äthiopischen Juden nach Israel gekommen. Tausende aber, das wusste er, wollten noch einwandern, und blieben zurück. Sie seien der israelischen Regierung nicht jüdisch genug gewesen:

„Nach jüdischem Gesetz ist nur derjenige ein Jude, dessen Mutter Jüdin ist. Diese 9.000 Juden in Äthiopien hatten aber laut israelischem Innenministerium nicht bewiesen, dass ihre Mütter jüdisch waren. Deshalb wurden sie zurückgelassen.“

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