Der Arabische Krieg


Ministertreffen am 14.November in Wien vor der offiziellen Syrien-Konferenz. Bild: state.gov
Statt nun bereits von einem „terroristischen Weltkrieg“ zu sprechen, sind wir aufgefordert, nun einen Schritt zurückzutreten und einen genauen Blick auf den Ordnungszerfall und die Zeitenwende in der arabischen Welt zu werfen und dabei die vielfältig ineinander verschränkten Konfliktlinien zu entwirren. Die globale Kriegserklärung des Islamischen Staates müssen wir nicht annehmen, wenn es der internationalen Staatengemeinschaft gelingt, einen tatsächlichen Neuordnungs- und Friedensprozess zu initiieren.

Von Robert Zion|TELEPOLIS

Nun also zieht die Bundesrepublik Deutschland in den gemeinsamen Kampf gegen den IS, jenen Islamischen Staat, den Abu Bakr al-Baghdadi im Frühsommer 2014 – sowie sich dabei selbst als Kalif – ausgerufen hat.

Der „Krieg gegen den Terror“ hat nun einen protostaatlichen Hauptfeind. So die allgemeine Lesart in einem Großteil der Medien und der Politik im Westen wie in Russland – und sie ist falsch. Der Islamische Staat ist nur Symptom. Eigentlich war der Dschihadismus, die militant-extremistische Strömung des Islamismus, bereits im Niedergang begriffen. Dschabhad al-Nusra, der 2012 während des syrischen Bürgerkrieges gegründete Ableger des dschihadistischen Terrornetzwerkes al-Qaida, hat im offenen Konflikt mit dem Islamischen Staat bereits schwere Niederlagen erlitten.

Faktisch ist der Islamische Staat bisher der Hauptprofiteur der Widersprüche eines Stellvertreterkrieges im Nahen Osten – eines Krieges, den wir den „Arabischen Krieg“ nennen können und nennen sollten –, in dem sich geostrategische und regionale Machtinteressen mit einem Modernisierungskonflikt in der islamischen Welt verschränken und in einer politischen und gesellschaftlichen Neuordnung der Region entladen.

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