Theatralischer Papst, verfilzter Vatikan


Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Papst Franziskus während einer Synode zum Thema Familie© Max Rossi/Reuters/Bearb.BB
Die vom Oberhaupt der Kirche angekündigte Reformen versickern hinter den Mauern des Kirchenstaats

Von Gerfried Sperl|derStandard.at

Die theatralische Rhetorik von Papst Franziskus sichert ihm nach wie vor Sympathien über die Grenzen der katholischen Kirche hinaus. Der Vatikan selbst sieht anders aus: „Vatileaks“ bringen finanzielle Malversationen an die Öffentlichkeit, Kardinäle widersprechen dem Papst ganz unverhohlen, vom Oberhaupt der Kirche angekündigte Reformen versickern hinter den Mauern des Kirchenstaats.

Franziskus wirft wie viele charismatische Politiker Andeutungen von Reformen unter das Glaubensvolk, das sich einbildet, die Änderungen wären schon unterwegs. Die Kirche wirkt dadurch offener als unter seinem Vorgänger Benedikt. Tatsächlich bleibt theologisch alles beim Alten, im Vatikan verschärfen sich die Konflikte.

Der Wiener Soziologe Wilfried Daim hat einmal den Machtapparat des Vatikans mit jenem des Kremls verglichen. Tatsächlich ähnelt Franziskus Michail Gorbatschow vor dreißig Jahren. Er verhieß eine „andere Sowjetunion“, in Wirklichkeit implodierte sie.

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