Parasiten: Heimliche Herrscher


Parasiten galten als degenerierte Lebewesen, die zum Überleben und Fortpflanzen auf andere Tiere angewiesen sind. Doch mittlerweile ist klar, dass sie den Lauf der Evolution massiv beeinflussen.

Von Kai Kupferschmidt|Süddeutsche.de

Als die Ethnologin Melanie Martin 2012 mit ihrem Mann im Amazonas Boliviens landete, hatte sie zwei Vorhaben: die Tsimané, ein Volk von Jägern und Sammlern, zu erforschen und ein Kind zu zeugen. Letzteres gelang erstaunlich schnell. Nach nur wenigen Wochen erwarteten ihr Mann und sie, damals Mitte 30, ein Kind. „Sie hat gescherzt, dass das an den ganzen Parasiten liegen könnte, denen sie dort ausgesetzt war“, sagt ihr Kollege Aaron Blackwell von der University of California in Santa Barbara. „Wir haben uns dann entschieden, den Zusammenhang zwischen Parasiten und Fruchtbarkeit tatsächlich einmal anzuschauen.“

Vor Kurzem ist das Ergebnis der Studie im Wissenschaftsmagazin Science erschienen. Martin selbst hatte zwar keine Parasiten, aber bei den Tsimané fanden die Forscher einen erstaunlichen Effekt: Frauen, die mit Spulwürmern infiziert waren, wurden häufiger schwanger. Eine lebenslang infizierte Frau würde im Schnitt zwei Kinder mehr zur Welt bringen als eine nicht infizierte Frau, rechneten die Forscher hoch. Bei den Tsimané hieße das: elf Kinder statt der üblichen neun.

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