Ruhestörung durch Kirchenglocken: Kirche muss «Ding-Dong» abstellen


Wädenswiler Dorfkern. (Bild: Christoph Ruckstuhl / NZZ)
Bei Streitigkeiten um Kirchenglocken ist die Wahrung der Tradition bisher höher gewichtet worden als das Ruhebedürfnis von Anwohnern. Das könnte sich jetzt ändern.

Neue Zürcher Zeitung

Anwohner, die sich an nächtlichen Glockenschlägen stören, hatten bisher einen eher schweren Stand. Tradition, so wurde ihnen bis hinauf zum Bundesgericht entgegengehalten, sei wichtiger als persönliche Empfindlichkeiten. Die Bevölkerung, das zeigten Umfragen, wolle nicht wegen ein paar Einzelmasken auf das geliebte Gebimmel verzichten, Säkularisierung hin oder her. So schien es zunächst auch einem älteren Paar aus Wädenswil zu ergehen.

Aus gesundheitlichen Gründen waren die beiden ins Dorfzentrum umgezogen. Dort mussten sie feststellen, dass in der benachbarten reformierten Kirche jede Nacht 155 Mal die Glocken schlagen. Wie später gerichtlich festgehalten wird, verkündet der Kirchturm unter anderem jede Viertelstunde mit einem ein- bis viermaligen sogenannten «Ding-Dong». Infolge massiver Schlafstörungen forderte das Paar die Kirche auf, die nächtlichen Glockenschläge einzustellen. Dass sich die Kirchenpflege bereit erklärte, zumindest das Frühgeläut von 6 auf 7 Uhr zu verschieben, konnte das Paar nicht besänftigen. «Kein Mensch braucht in der Nacht einen Stundenschlag», sagte der Mann der «Zürichsee-Zeitung», «man muss diese Tradition nicht mit Gewalt durchsetzen.» Und so kam es zu einem Rechtsstreit.

weiterlesen