Türkei: Aufstand der verlorenen kurdischen Jugend


© AFP In Diyarbakir liefern sich kurdische Jugendliche und die Polizei heftige Auseinandersetzungen.
Im Südosten der Türkei eskaliert der Konflikt zwischen den Sicherheitskräften und der PKK-nahen radikalen Jugend. Mehr als 200 türkische Sicherheitskräfte sind bereits getötet worden, auf der anderen Seite ist die Zahl der Opfer noch weit höher.

Von Rainer Hermann|Frankfurter Allgemeine

Ausgangssperren, Tränengas, jeden Tag weitere Tote. Der Konflikt zwischen dem türkischen Staat und kurdischen Aufständischen im Südosten der Türkei steht den blutigen neunziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts nicht mehr nach. Damals hatte der Konflikt seinen vorläufigen Höhepunkt. Seit Ende Juli sind nun bereits mehr als 200 türkische Sicherheitskräfte bei Zusammenstößen und Gefechten getötet worden. Auf der anderen Seite ist die Zahl der Opfer noch weit höher. Allein in den vergangenen drei Tagen wurden nach Berichten staatlicher Medien vom Freitag 54 Kämpfer der verbotenen Kurdischen Arbeiterpartei PKK getötet.

Im Einsatz sind mehr als 10.000 Sicherheitskräfte – der Armee, Gendarmerie, Polizei und von Sondereinheiten. Brennpunkte sind in dieser Woche abermals die Städte Cizre und Silopi an der Grenze zum Irak sowie der Stadtteil Sur in der Kurdenmetropole Diyarbakir. In diesen Städten finden seit Monaten die heftigsten Kämpfe statt. Die Armee riegelt von Zeit zu Zeit auch andere Städte ab, etwa Nusaybin, Silvan oder Sirnak, beschießt sie mit schwerer Artillerie und fährt mit Panzern dort ein. Belagern die Sicherheitskräfte eine Stadt, werden Strom und Wasser abgeschaltet, so dass auch Fernsehen, Internet und Telefon nicht mehr genutzt werden können. Auch die Belieferung mit Lebensmitteln wird dann unterbrochen.

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