Der Papst und seine Reformen: Was treibt Franz an?


Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Verehrungswürdige Puppe. Themenbild
Franziskus macht fast alles anders als seine Vorgänger – auch besser? Manche meinen, der Hype um den neuen Papst sei schon vorüber. Sie irren.

Von Paul Kreiner|DER TAGSESSPIEGEL

Navid Kermani beginnt sein neuestes Buch mit den Worten „Der katholische Freund schließt nicht aus, dass …“ Dann meditiert er voll „ungläubigem Staunen“ fast dreihundert Seiten lang über die christliche Bilderwelt. Er, der Muslim, erschließt den Christen mit Hingabe eine Welt, die ihnen selbst fremd geworden ist oder deren Reichtum sie nicht wahrnehmen, weil sie als Gewohnheitsseher – „ach, schon wieder dieses Madonnenmotiv da“ – alles längst zu kennen glauben.

Der katholische Freund sagt zum Thema dieser Seite hier, in Deutschland sei der „Hype um Papst Franziskus schon wieder vorbei“, der „Zauber verflogen“. Und er, der katholische Freund aus Deutschland, hinterlässt damit ungläubiges Staunen bei einem, der in Rom wohnt, der diesen Papst aus der täglichen Nähe mitbekommt und seinerseits meint, die „Ära Franziskus“, die habe doch eben erst begonnen. Da muss also, nördlich der Alpen, einiges nicht vermittelt worden sein. Da sind wohl Welten verschlossen geblieben. Oder es haben sich die Gewohnheitsseher durchgesetzt mit ihrem immer gleichen Blick: „Ach, aus dem Vatikan“, so bloggen selbst deutsche Theologieprofessoren, die es besser wissen müssten, kommt doch immer nur „die alte Leier“, nur „Reformgerede, aber keine Taten“. Abgehakt, Franziskus. Kein Stoff für dreihundert Seiten. Der Nächste, bitte.

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