Türkei am Rande des Bürgerkriegs


Brennendes Wohnhaus am Samstag in Cizre nach Artilleriebeschuss.
EU will dem Land unter der Erdogan-Regierung beim Deal um die Flüchtlinge weiter entgegenkommen

Von Elke Dangeleit|TELEPOLIS

Der Terror gegen die kurdische Bevölkerung in der Südosttürkei geht unvermindert weiter. Die deutschen Medien schweigen weitgehend dazu und die Bundesregierung treibt, ungeachtet der Menschenrechtsverletzungen, die Beitrittsverhandlung der EU mit der Türkei voran. Einziger Beweggrund scheint der Deal zu sein, die Flüchtlingsströme zu begrenzen.

Wie die Türkei das macht, ist egal – Hauptsache sicheres Drittland. Dass Flüchtlinge mittlerweile in der Türkei inhaftiert werden und keiner weiß, was dort in den Internierungslagern mit ihnen geschieht (Amnesty beschuldigt die Türkei, illegal hunderte Flüchtlinge festzunehmen und unter Zwang abzuschieben), und auch die Menschenrechtsverletzungen im Südosten der Türkei sind hier kaum eine Meldung wert. Man übernimmt die Meldungen der türkischen Staatspresse, dass angeblich über 50 PKK-Kämpfer in den Städten getötet wurden.

Die Bilder über den Krieg gegen die kurdische Bevölkerung im Südosten der Türkei, die uns über die sozialen Netzwerke erreichen, sprechen eine andere Sprache und sind erschütternd und empörend. Sie erinnern an frühere Bilder aus Vietnam oder Chile – oder aus der Türkei der 80er Jahre. Täglich werden in den kurdischen Städten Bürger von Polizei oder Militär ermordet: In Cizre wurde z.B. vor einigen Tagen ein elfjähriger Junge auf offener Straße durch einen Kopfschuss getötet – er kam offensichtlich gerade aus dem Haus, er hatte noch Hausschuhe an Am Freitag fuhren Panzer durch Cizres Straßen und beschossen Wohnviertel.

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