US-Army: Operation Sea-Spray – Keime fürs Volk


San Francisco Bay Area. Bild: Brocken Inaglory. Lizenz: CC-BY-SA-3.0
Haben Sie schon Mal vom Nürnberger Kodex gehört? Anlass für den Ärztekodex von 1947 waren Verbrechen, insbesondere Menschenversuche, im Namen der medizinischen Forschung im Dritten Reich. Am 9. Dezember 1946 begann der Nürnberger Ärzteprozess – im Rahmen der Nürnberger Prozesse von 1945 bis 1949 – gegen KZ-Ärzte.  

Von Florian Osrainik|TELEPOLIS

Offiziell wurde der Fall als „Vereinigte Staaten vs. Karl Brandt et al.“ bezeichnet. Nazi-Arzt Brandt war der ranghöchste Angeklagte. Im Prozess erkannten die Richter das grundsätzlich moralische Problem von Versuchen am Menschen an. Es entstand ein zehn Punkte umfassender Verhaltenskodex, eine ethische Richtlinie für die Durchführung von Experimenten am Menschen.

Im Grundsatz fordert der Kodex die freiwillige Zustimmung der Versuchspersonen und untersagt Tests die zum Tod oder zu dauerhaften Schäden führen können. Seit der Urteilsverkündung von 1947 gehört der Nürnberger Kodex zu den ethischen Grundsätzen in der Ausbildung von Medizinern – er sollte es jedenfalls!

Operation Sea-Spray

Nur wenige Jahre später brach die US-Führung jenen Kodex. Am 9. März 1977 schrieb George C. Wilson in der Washington Post, dass die US-Army 239 geheime Experimente zur biologischen Kriegsführung an der eigenen Bevölkerung durchgeführt hat.

Zweck war es, Erkenntnisse in der Anwendung von biologischen Kampstoffen sowie in der Verteidigung dagegen zu gewinnen. Die Gesundheit der Bevölkerung wurde weder in den Planungen berücksichtigt, noch in den Dokumenten der US-Army erwähnt. Bei den Experimenten wurden in acht amerikanischen Städten, unter anderem in New York, Washington und San Francisco sowie auf mehreren US-Militärbasen, wie in Fort Detrick, verschiedene Bakterien in Freiluftversuchen an Zivilisten und Armeeangehörigen getestet – ohne deren Wissen.

In Washington begannen die Experimente 1949 an nicht genannten Orten und wurden 1965 am Flughafen und dem „Greyhound bus terminal“ fortgeführt. In New York wurden Keime im U-Bahn-System ausgesetzt und im September 1950 versprühte die US-Navy die Erreger Bacillus globigii und Serratia marcescens in sechs simulierten Attacken rund eine Woche lang aus riesigen Schläuchen von Schiffen vor der Küste von San Francisco. Durch die Tests bildeten sich bis zu zwei Meilen lange Wolken, dabei wurden sämtliche Parameter dokumentiert, nur das Wohlergehen der Bewohner wurde übergangen.

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