Burundi – Gewalt von Gottes Gnaden


Ein Mann fleht um Hilfe in Burundis Hauptstadt (Archiv vom Mai 2015). Er wurde beschuldigt, ein Mitglied der ‚Imbonerakure‘ zu sein, der militanten Jugendorganisiation der führenden Partei Burundis, die für viele Gewalttaten verantwortlich gemacht wird (Foto: AFP)
Das Regime in Burundi tötet seit Monaten seine Gegner. Die Angst vor Gewalt und Repression hat Hunderttausende vertrieben. Jetzt will die Afrikanische Union 5000 Friedenssoldaten schicken. Doch Bujumbura lehnt ab.

Von Isabel Pfaff|Süddeutsche.de

Fast 90 Tote in einer Nacht. Ein furchtbares Blutbad, noch Tage später liegen Leichen auf den ausgestorbenen Straßen der burundischen Hauptstadt Bujumbura. Nach Angaben des Militärs sind knapp 80 der Getöteten „Aufständische“ – Regierungsgegner, die versucht hatten, mehrere Militärstützpunkte der Hauptstadt anzugreifen. Doch Zeugen berichten, dass Polizei und Militär nicht nur Angreifer getötet hätten. Bei Hausdurchsuchungen in von der Opposition dominierten Stadtvierteln hätten die Sicherheitskräfte auch wehrlose Menschen erschossen.

Seit Beginn der Unruhen im Frühjahr hat Burundi keine solche Gewalt erlebt wie in der vorvergangenen Woche. Dabei hatte der Konflikt einst unblutig begonnen: mit friedlichen Protesten gegen einen Präsidenten, der entgegen der Verfassung für eine dritte Amtszeit kandidieren wollte. Doch Staatschef Pierre Nkurunziza, ein ehemaliger Rebellenführer, ließ die Demonstrationen mit Gewalt niederschlagen und sich in einer umstrittenen Wahl im Amt bestätigen. Seither haben sich auch Teile der Opposition bewaffnet. Bei den Ausschreitungen wurden mindestens 300 Menschen getötet – die meisten durch staatliche bewaffnete Kräfte. Die Angst vor Gewalt und Repression hat etwa 280 000 Menschen aus Burundi vertrieben.

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