Der Mann, der Flüchtlingen die Homo-Ehe erklärt


Foto: picture alliance / dpa Der Moderator und Journalist Constantin Schreiber von der arabischen Nachrichtensendung „Marhaba – Ankommen in Deutschland“
Constantin Schreiber moderiert in perfektem Arabisch und ist zwischen Casablanca und Bagdad das Fernseh-Gesicht Deutschlands. Er ist kein Multikulti-Euphoriker und „ein ziemlich schlechter Deutscher“.

Von Daniel-Dylan Böhmer|DIE WELT

Deutschland ist nicht so schön heute. Es regnet am Brandenburger Tor, vor der französischen Botschaft ertrinken die Blumen, die dort noch immer zum Gedenken an die Toten der Pariser Anschläge abgelegt werden. Schwer, das alles in ansehnliche Bilder zu fassen. „Man soll ja beides sehen“, sagt Constantin Schreiber im Schutz des Säulengangs, „das Brandenburger Tor und die Trauer um die Opfer.“

Der Kameramann hält erst auf die Quadriga und dreht das Objektiv dann in einer kunstvollen Schleife runter zu Schreiber und seinem Interviewpartner, dem Deutsch-Iraker Nizar Mahmoud, der das Arabische Kulturinstitut in Berlin leitet. Im Hintergrund sieht man die Blumen und die Trikolore. Schreiber, schlank und blond, nickt nachdenklich, fragt nach, in flüssigem, klarem Arabisch. Als die Kamera in den Kofferraum gepackt wird, erkennt ihn eine Dame, vielleicht 75 Jahre alt, Kapotthütchen. „Sind Sie nicht der mit der arabischen Sendung?“ Sie hat Schreiber bei Anne Will gesehen. Eine Meinung äußert sie nicht, und Schreiber wirkt erleichtert. Keine Meinung erlebt er selten.

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