Anthropozän: Die Welt ist und wird nicht mehr, wie sie war


Bild: (c) EPA (Orestis Panagiotou)
Dass der Mensch die Erde umbaut, ganz unabsichtlich, fiel zuerst bei der Erwärmung bzw. den Treibhausgasen auf. Aber nun hat sich ein viel älterer und breiterer Effekt gezeigt: Der Mensch hat das Muster verändert, in dem die Natur das Leben organisiert.

Von Jürgen Langenbach|Die Presse

Man kann es sich schwer vorstellen, dass vor etwa 6000 Jahren etwas kam bzw. angerichtet wurde, das ein System durcheinander brachte, das über 300 Millionen Jahre stabil geblieben war. In diesen Jahrmillionen gab es zwei Massensterben – das am Ende des Perm vor 252 Millionen Jahren, es war das größte von allen, und das vor 65 Millionen Jahren, bei dem die Saurier gingen –, in diesem Zeitraum kam enorme Hitze, im Temperaturmaximum vor 53 Millionen Jahren, enorme Kälte kam später auch, die der Eiszeiten. Und doch organisierte sich die belebte Natur immer nach dem gleichen Muster: Immer gab es Lebensformen, die gemeinsam mit anderen die gleichen Habitate füllten, so wie es etwa die Geparden und die Giraffen heute tun. Sie bewohnen Savannen, obendrein ernähren sich die einen (auch) von den anderen.

Solche Paare sind nicht die Norm, das meiste Leben ist nach Zufall verteilt, der eine Baum wächst da, der andere dort, in der Fauna ist es nicht anders. Aber es gibt Paare, die mit höherer als Zufallswahrscheinlichkeit im gleichen Habitat sind.

Nur: Es gab früher viel mehr, sie haben sich ausgedünnt, Kathleen Lyons (Smithsonian Institution) hat es im breiten Vergleich über 300 Millionen an 360.000 Artpaaren gezeigt, die ältesten waren Pflanzen – sie haben mehr Spuren hinterlassen, Pollen vor allem –, später kamen Tiere dazu. Die Arten wechselten, dramatisch bei den Massensterben, aber das Paarmuster blieb konstant bzw. sein Anteil am ganzen Leben blieb es. Vor 12.000 Jahren änderte sich das, und vor 6000 Jahren kam der große Schnitt, der Anteil der Paare sank auf die Hälfte. Was war geschehen? Am Klima lag es nicht. Zwar ging vor 12.000 Jahren die letzte Eiszeit zu Ende, aber das Leben hatte schon ganz andere Schläge weggesteckt.

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