Atombomben auf Ost-Berlin – West-Berlin Kollateral-Schaden


B-61 Bomben. Bild: DoD
B-61 Bomben. Bild: DoD
Ein Jahrzehnt nach den Atombombenabwürfen auf Japan arbeitete das von Air Force General CurtisLeMay aufgebaute Strategic Air Command an einem umfassenden Vernichtungsschlag gegen die Sowjets. LeMay, der die Atombombenabwürfe auf Japan kommandierte, hatte seit Ende der 1940er Jahre dafür plädiert, Russland in einen Parkplatz zu verwandeln. Eine nunmehr von der George Washington Universität veröffentlichte Air Force-Studie von 1956 für die für 1959 projektierte Erstschlagskapazität erweist sich selbst nach militärischen Maßstäben als zynisch. 

Von Markus Kompa|TELEPOLIS

Das Ausmaß der eingesetzten Mittel überstieg selbst die scheinbaren Übertreibungen in Stanley Kubricks „Dr. Strangelove“ bei Weitem. So waren allein für Moskau 179, für Leningrad 145 Atombomben mit Kenngrößen zwischen 1,7 und 9 Megatonnen TNT vorgesehen. (Zum Vergleich: Die Bomben von Hiroshima und Nagasaki hatten eine Sprengkraft von 0,013 und 0,02 Megatonnen TNT). Die Explosionen sollten in geringer Höhe erfolgen, um maximale Zerstörung und Verteilung des radioaktiven Materials zu erzielen. Seit dem Test Castle Bravo von 1954 verfügten die USA über eine 15-Megatonnen-Bombe, deren Explosionswolke in die Troposphäre reichte, später sogar über eine 25 Metatonnen-Bombe. Den nun veröffentlichten Dokumenten zufolge verlangten die US-Generale sogar eine 60 Megatonnen-Bombe, was 4.000 Hiroshima-Bomben entspräche. (1961 testeten die Russen eine Wasserstoffbombe in dieser Größenordnung.)

Zu den militärischen Zielen für einen Nuklearangriff zählten auch etwa 200 von den Sowjets kontrollierte Einrichtungen in der DDR, darunter etliche in der Nähe von West-Berlin, etwa Oranienburg und Hennigsdorf. Die damals den Westmächten unterstehenden West-Berliner, welche die US Air Force als Rosinen-Bomber feierten, wären bei einem atomaren Angriff vor den Toren der Stadt als planmäßiger Kollateralschaden unter friendly fire geraten. Zu den militärischer Zielorten gehörte auch eine Basis in Templin, wo damals Angela Merkel aufwuchs.

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