„Die Ausbreitung des saudischen Einflusses wird verheerende Folgen nach sich ziehen“


Peter Scholl-Latour und Ramon Schack im Sommer 2013. Bild: R. Schack
Peter Scholl-Latour erwartete mich in der Hotel-Bar, in der wir uns verabredet hatten. Mit dem erwünschten Buch in der Tasche, hatte ich mich auf den Weg gemacht. Peter Scholl-Latour stand am Tresen, als ich den Raum betrat und empfing mich lächelnd. Wir waren die einzigen Gäste.

Von Ramon Schack|TELEPOLIS

Ein strahlender Kellner kam und sagte, in Richtung seines prominenten Gastes gewandt: „Meine Mutter hat alle Ihre Bücher gelesen.“ Peter Scholl-Latour schaute kurz auf und antwortete: „Ach, die Arme!“ Dann bestellte er einen Whisky, ich entschied mich für einen Cappuccino. „Alle Welt trinkt heute Cappuccino, ich bleibe beim Whisky, aber immer erst nach 17 Uhr!“

Peter Scholl-Latour wirkte auf mich frisch und energiegeladen. Es fiel mir schwer zu glauben, dass er erst kürzlich seinen 87. Geburtstag gefeiert hatte. Er trug ein helles Jackett zum blauen Hemd. In den vergangenen Monaten hatte er zum Sammeln von Erkenntnissen einige ausgedehnte Reisen unternommen, von Lateinamerika bis in die Volksrepublik China. Jetzt waren die Länder Nordafrikas und der Levante das Ziel.

„Sie müssen bitte entschuldigen“, sagte er, „dass ich Sie nicht bei mir in der Wohnung empfangen habe, aber dort herrscht ein schreckliches Chaos. Meine Frau und ich sind gerade aus dem Nahen Osten zurückgekehrt, die nächste Reise steht unmittelbar bevor. Und heute Abend bin ich noch in einer dieser TV-Talk-Shows zu Gast, wo ich mich wieder als Unke präsentieren darf, im Gespräch mit anderen Gästen, die von nichts eine Ahnung haben!“

Wir lachten beide. Scholl-Latour nippte an seinem Whisky-Glas, während ich ihm das gewünschte Buch übergab. „Was für ein Mensch ist dieser Robert Baer eigentlich? Sie sind ihm ja begegnet“, fragte er mich, während er in dessen Werk blätterte. Ich antworte, dass es sich um einen äußerlich eher unauffälligen Menschen handelte, dem man nicht unbedingt ansehen würde, dass er einst undercover im Irak tätig war und den Auftrag hatte, Saddam Hussein zu liquidieren. „Seine Thesen sind auf jeden Fall stichhaltig, aber bei ehemaligen Geheimdienstlern sollte man sehr misstrauisch sein!“, merkte mein Gegenüber an.

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