Jürgen Todenhöfer: So haben wir vom Islam profitiert


Der Publizist Jürgen Todenhöfer stellt in Berlin sein Buch „Inside IS – 10 Tage im ‚Islamischen Staat'“ vor (Archivbild). © dpa
Im Gespräch mit dem Interview-Magazin „Galore“ (Ausgabe 11 jetzt im Handel) spricht der streitlustige Publizist Jürgen Todenhöfer über die Intentionen des IS, über mögliche Gegenmaßnahmen, westliche Politik und die Kritik an der eigenen Person. Und kritisiert ein seiner Meinung nach historisch falsch gewachsenes Bild vom Islam im Westen.

Von Franz Rohleder|Merkur.de

Todenhöfer betont, dass die Wissenschaft der „Orientalistik“ in den westlichen Ländern über 200 Jahre lang das Bild der islamischen Hochkultur systematisch verdüstert habe. Als Quelle dient ihm das umstrittene Buch „Orientalismus“ des US-Literaturtheoretikers Edward Said. Jürgen Todenhöfer: „Die islamische Hochkultur war dem Abendland jahrhundertelang turmhoch überlegen. Aber man wollte natürlich nicht zugeben, dass die Zivilisation des Abendlands Jahrhunderte lang ‚islamisiert‘ worden war. Wir haben lange von den Erkenntnissen der großen Wissenschaftler und Naturforscher der islamischen Welt profitiert. Dieses historische Erbe wollte man nicht anerkennen.“ Die Herabstufung der muslimischen Welt habe den westlichen Ländern einen Vorwand geliefert, diese zu kolonisieren, zu beherrschen und angeblich zu zivilisieren. Und ein negatives Islam-Bild wirke noch heute nach, meint Todenhöfer. „Dieses über zwei Jahrhunderte geprägte Bild, dass wir die Großartigen, die Übermächtigen und die kulturell Leistungsfähigeren wären, sitzt noch in den Köpfen vieler Leute. Das nennt man Rassismus.“

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