Nahost-Konflikt:“Religion kann man wunderbar missbrauchen“


Der deutsche Pater Nikodemus Schnabel steht vor der Dormitio-Abtei in Jerusalem. (Imago / EPD)
Pater und Seelsorger Nikodemus Schnabel lebt in einem Kloster im völkerrechtlichen Niemandsland zwischen Israel und Palästina. Nach seiner Erfahrung sehnen sich die meisten Menschen in der Region nach Frieden und Versöhnung. Allerdings fehle auf beiden Seiten Selbstkritik und ein Blick für das Leid der anderen, sagte er im DLF.

Nikodemus Schnabel im Gespräch mit Christoph Heinemann|Deutschlandfunk

Christoph Heinemann: Politisch hat das sogenannte „Heilige Land“ in diesem Jahr wieder für traurige Schlagzeilen gesorgt: In den letzten Monaten haben auch wir berichtet, dass Palästinenser immer wieder versuchen, Israelis mit Messern zu töten, oder mit Autos Menschen zu überfahren. Die israelischen Sicherheitskräfte reagierten, das heißt, es gab einmal mehr Tote auf beiden Seiten.

Seti zwölf Jahren lebt der Benediktinermönch Nikodemus Schnabel in Jerusalem. Er hat ein Buch geschrieben: „Zuhause im Niemandsland – mein Leben im Kloster zwischen Israel und Palästina“. Und das ist wörtlich gemeint: das Kloster Dormitio steht auf dem Zionsberg, und damit völkerrechtlich auf neutralem Gebiet. Ich habe ihn vor dieser Sendung gefragt, ob diese Attentate etwas Neues darstellen oder inzwischen zur Normalität in Israel gehören?

Nikodemus Schnabel: Ja man muss es leider sagen: Es ist Teil einer Normalität und ich kann jetzt auch nicht sagen, dass es jetzt die schlimmste Phase meines Dortseins wäre. Ich bin 2003 eingetreten, da war noch Intifada. Da sind Cafés in die Luft gegangen, es sind Busse in die Luft gegangen. Das heißt so gesehen: Ich kenne auch schlimmere Phasen. Ich kenne auch mehrere Gaza-Kriege, Libanon-Krieg. Es ist einfach jetzt eine neue Spielart der Gewalt und der Aggression, des Giftes, was versprüht wird.

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