Türkei: Islam im AKP-Ghetto


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In der Istanbuler Wohnsiedlung Başakşehir lebt die aufstrebende Mittelschicht. In 13 Jahren AKP-Herrschaft ist sie herangereift: konservativ und fromm, aber auch zutiefst misstrauisch.

Von Mike Szymanski|Süddeutsche.de

Die neue, fromme Türkei, das ist Abendunterhaltung. Es gibt Rotwein, Häppchen. Dazu eine Videoinstallation, die an ein Roadmovie erinnert. Die Filmemacher waren unterwegs, in einer für sie fremden Welt. Auf der Suche nach der neuen türkischen Identität.

Architekten, Künstler, Wissenschaftler, Journalisten und ein paar Nachtschwärmer sind gekommen. Es ist Freitagabend. Das Studio X ist ein Ausstellungsraum im Zentrum von Istanbul. Drinnen: nackter Beton und Schlichtheit auf zwei Etagen. Draußen eine vierspurige Ausfallstraße. Ein paar Minuten zu Fuß liegt der Taksim-Platz. Laufen kann man auch bis in die verwinkelten Kneipenviertel, in denen getrunken, getanzt, geliebt und gehasst wird.

Der Film spielt 25 Kilometer entfernt, in Başakşehir. Eine künstliche Stadt, ein Zuhause für knapp 350 000 Menschen, die abends nicht die Lichter der Großstadt sehen wollen. Zu den Gebetszeiten schalten Restaurantbetreiber die Musik aus. Sport machen Männer und Frauen getrennt. Manche Lokale reservieren Frauengruppen die Nachmittagsstunden, damit sie unter sich bleiben können. Wenn man einen Besuch im Einkaufszentrum Olimpa zum Maßstab nimmt, dann sind Frauen ohne Kopftuch die Minderheit. Eingehegt wird dieses Leben von Mauern und Stacheldraht.

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