Katholische Kirche:“Wir brauchen keine Priester und keine Priesterinnen“


Bischöfe und Priester sitzen mit Gesangbüchern und Bibeln in der Hand im Kölner Dom. (picture alliance / dpa / Oliver Berg)
Jesuitenpater Roger Lenaers war lange als Priester tätig und später als Seelsorger. Heute meint er: Die Regeln der Kirche – wie der Zwang zur Ehelosigkeit oder der Ausschluss von Frauen vom Priesteramt – haben keine Zukunft. Auch das theologische Denken des Papstes sei vormodern, sagte Lenaers im Deutschlandfunk.

Roger Lenaers im Gespräch mit Christoph Heinemann|Deutschlandfunk

Christoph Heinemann: Viele Menschen werden heute Abend Messen und Gottesdienste besuchen. Menschen, die den Kirchen in den 51 anderen Wochen des Jahres die kalte Schulter zeigen. Jahr für Jahr treten Hunderttausende aus den beiden großen christliche Religionsgemeinschaften aus und wenden sich damit von einem kulturellen Erbe des europäischen Kontinents ab.

Dass viele mit Kirche nichts mehr zu tun haben wollen, mag mit dem Zustand dieser Kirchen zu tun haben: mit sexuellen Straftaten, Zwangszölibat, Ausschluss der Frauen von allen wichtigen kirchlichen Ämtern, dem Dogmatismus als Ausdruck unendlicher Angst. Es hat aber vielleicht auch mit der offiziellen Deutung der Glaubensinhalte zu tun, die vollkommmen veraltet ist, oder genauer gesagt: im Mittelalter stehengeblieben. Das erklärt Roger Lenaers.

In seinem Buch „Der Traum des Königs Nebukadnezar“, das vor einigen Jahren erschienen ist, über das in Belgien ausführlich diskutiert wurde, beschreibt er einen modernen Glauben: weg von der Vorstellung eines Himmels, der sich irgendwo oben befindet. Weg von dieser anderen Welt, in der man sich hier unten immer spiegelt oder auf die man sich bezieht. Weg von einem solchen heteronomen Gottesbild und hin zu einem theonomen Denken, in dem es nur noch eine Welt mit Gott gibt: die unsrige. Das ist insofern überraschend, als Roger Lenaers nicht ein x-beliebiger Kirchenkritiker ist, der Belgier ist Jesuitenpater und steht im 9. Lebensjahrzehnt. Und er schreibt: man kann durchaus gläubiger Christ sein, ohne bei Glaubensformulierungen aus der Spätzeit des Römischen Reiches verharren zumüssen. Ich habe ihn vor dieser Sendung gefragt, wie sich sein theonomes Gottesbild von dem heteronomen der Amtskirche unterscheidet.

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