Sind wir Christen noch bei Trost?


Uneinig in konfessionellen Fragen: Der Theologe Friedrich Wilhelm Graf (links) und der Schriftsteller Martin Mosebach
Der eine sagt, eigentlich müssten wir das ganze Jahr über Weihnachten feiern, weil es immer um die Menschwerdung Gottes gehe. Der andere sagt, man dürfe nicht blind glauben. Ein konfessionelles Streitgespräch zwischen Martin Mosebach und Friedrich Wilhelm Graf.

Von Patrick Bahners, Edo Reents|Frankfurter Allgemeine

Herr Graf, Sie haben Herrn Mosebach öffentlich „kenntnisarme Vorurteile“ über den Protestantismus bescheinigt. Herr Mosebach, was sagen Sie dazu?

Mosebach: Der Protestantismus ist ein gewaltiger Kontinent, und ich kann nicht hoffen, dass ich ihn ganz überblicke. Aber ich bin der Sohn eines engagierten Protestanten, der bis zu seinem letzten Atemzug ein solcher geblieben ist und nicht versäumt hat, uns seine Überzeugungen am Esstisch darzulegen.

Graf: Aber Sie haben doch wunderbare antiprotestantische Vorurteile!

Mosebach: Ich weiß nicht, ob es Vorurteile sind. Vielleicht sind es dann doch Urteile. Was meinen Sie zum Beispiel?

An der zitierten Stelle seiner Besprechung von Navid Kermanis Buch „Ungläubiges Staunen“ schreibt Herr Graf Ihnen die Auffassung zu, der Protestantismus sei „allzu intellektualistisch, moralisierend, zeitgeistkonform“.

Mosebach: Diese Worte würde ich mir gar nicht zu eigen machen, weil es diese Tendenzen in der katholischen Kirche ganz genauso gibt. Auch moralisierend ist die katholische Kirche geworden, indem sie sich von ihrer spezifischen Spiritualität und Sakralität abgewandt hat.

Graf: Würden Sie das als Protestantisierung des deutschen Katholizismus deuten?

Mosebach: Des deutschen? Das ist eigentlich ein Weltphänomen.

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