„Der Islam in der extremen Form des IS spielte für sie keine Rolle“


foto: privat Lydia Wilson interviewte drei zum Tode verurteilte IS-Kämpfer im Irak. Zu deren Motiven meint sie: „Der Islam spielte für sie schon eine Rolle, aber nicht in der extremen Form, wie es die Führer des ‚Islamischen Staates‘ verlangen.“ (Foto: Wilson mit einem kurdischen Sicherheitsbeamten vor den Interviews.

Die britische Wissenschafterin Lydia Wilson hat im Irak zum Tode verurteilte IS-Kämpfer interviewt und psychologische Tests mit ihnen durchgeführt. Im Interview berichtet sie über die Ergebnisse

Von Rainer Schüller|derStandard.at

Mit Kämpfern des „Islamischen Staats“ (IS) über die Motive ihrer Taten zu sprechen ist kein leichtes Unterfangen. Die britische Wissenschafterin Lydia Wilson hat im Irak drei zum Tode verurteilte Vertreter einer lokalen IS-Gruppe interviewt. Das Ziel: Die Forscherin wollte mehr über die Psychologie der Terroristen wissen. Da das Sample sehr klein war, hat Wilson keinen wissenschaftlichen Text über die Tiefeninterviews verfasst, sondern in dem US-Magazin „The Nation“ über ihre Erfahrungen berichtet. Im Gespräch mit dem STANDARD erzählt sie, wieso der Islam nicht der wichtigste Beweggrund für die Befragten war, sich am Kampf des IS zu beteiligen, warum der IS so stark rekrutiert und was seinen Kampf von dem von Al-Kaida unterscheidet.

STANDARD: Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Interviews mit zum Tode verurteilten IS-Terroristen zu machen?

Wilson: Ich untersuche seit vielen Jahren Konflikte aus anthropologischer und psychologischer Sicht. Ich mache sehr viel Feldforschung, bei der ich mit internationalen Kollegen aus verschiedenen Disziplinen zusammenarbeite. Unsere Hauptfragen sind, wann, wie und warum Menschen wie eben auch die Kämpfer des Islamischen Staates ihr wertvollstes Gut, ihr Leben, hergeben.

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