Griechenland: Die Todesstrafe vollstreckt durch Unterlassung


Foto: Mobiltelefonfotos von Haftinsassen
Die erschütternden Zustände im Korydallos-Gefängnishospital bei Athen

Von Wassilis Aswestopoulos|TELEPOLIS

Mit dem Weihnachtsfest endete die von einigen Kirchenfürsten angeordnete zweitägige Staatstrauer in Griechenland. Während der letzten Woche vor Weihnachten hatten auf zahlreichen Inseln und in Dörfern die Kirchenglocken geläutet, als wäre es die Karwoche. Die Kirchenglocken läuteten für oder besser gegen die Verabschiedung der eingetragenen Partnerschaft für Homosexuelle, wie sie in der vergangenen Woche vom Parlament beschlossen wurde.

Keine Kirchenglocken läuten dagegen für einen Todesfall, der mit weniger medialem Interesse begleitet wurde. Erneut starb ein Insasse des Korydallos-Gefängnisses bei Athen. In Griechenlands größter Haftanstalt, im Vorort Athens Korydallos, verstarb ein 75-jähriger Insasse im so genannten Gefängnishospital.

Seit einigen Jahren schon fehlt es in dieser Einrichtung an allem, was ein Krankenhaus ausmacht. Medikamente, Pflegepersonal und eine lückenlose Arztversorgung sind ebenso wenig üblich wie sterile oder gar gereinigte Bettwäsche. Die Situation ist seit Jahren bekannt. Ebenso oft wird versprochen, dass sich endlich etwas ändern sollte. Premierminister Alexis Tsipras hatte, auf den Missstand angesprochen, in einem Fernsehinterview schnelle Abhilfe versprochen.

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