Irrationales Weltbild: Von genderistischen Schöpfungsmythen


Bild trailer Die Schöpfung
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Ulrich Kutschera hat sich in den letzten Jahren einen Namen als Verteidiger von Rationalität und Wissenschaft gemacht. Wer für Rationalität kämpft und Wissenschaft als rationale Methode zur Gewinnung von Erkenntnis betrachtet (und was sollte sonst der Unterschied zu Willkür und Ideologie sein?), der stolpert über kurz oder lang über Kreationismus und Genderismus. Beides sind Anschläge auf die Rationalität und Versuche, den Erkenntnisfortschritt der Wissenschaft hinter Aristoteles zurückzudrehen.

Richard Dawkins Foundation

Ulrich Kutschera ist einer der wenigen deutschen Wissenschaftler, die sich gegen den Einbruch dieser Irrationalität in die Wissenschaft wehren, und er ist der einzige deutsche Wissenschaftler, der bislang den Mut hat, darauf hinzuweisen, dass Kreationismus und Genderismus aus der selben Wurzel der Irrationalität wachsen.

Wir freuen uns an dieser Stelle den ersten Teil eines Interviews wiederzugeben, das wir mit Ulrich Kutschera geführt haben. Der zweite Teil folgt im Neuen Jahr. Es gibt also schon einen Grund, auf das Neue Jahr gespannt zu sein.

ScienceFiles: Herr Kutschera, vielen Dank, dass Sie ScienceFiles ein Exklusivinterview geben. Für die Leser, die Sie nicht kennen, möchten wir Sie bitten, sich kurz vorzustellen: Wie sind Sie institutionell angebunden? Was lehren und forschen Sie?

Ulrich Kutschera: Ich habe eine biologische Doppel-Karriere durchlaufen. Während meines Biologie/Chemie-Studiums an der Universität Freiburg waren meine Schwerpunkte Evolution und Physiologie der Organismen. Meine erste Abschlussarbeit habe ich dann auch auf dem Gebiet der Zoologischen Systematik/Evolutionsforschung verfasst und mit der Entdeckung einer neuen Egel-Art (1981), die erst seit 2005 als invasive, weltweit verbreitete Spezies international bekannt geworden ist, meine wissenschaftliche Laufbahn begründet. Danach bin ich in die Pflanzenphysiologie gewechselt. An der Uni Freiburg waren das damals inhaltlich wie räumlich zwei völlig getrennte Welten, und habe mich dort weiterqualifiziert (Dr. rer. nat.). Nach Forschungsaufenthalten an der kalifornischen Stanford University sowie der Michigan State University habe ich mich an der Universität Bonn habilitiert und wurde kurz danach, im Alter von 37 Jahren, auf eine C4-Professur berufen (Universität Kassel). Seit über 30 Jahren publiziere ich auf mehreren Gebieten, angefangen von der Zoologie (Sexualverhalten/Evolution aquatischer Anneliden) über die Mikrobiologie (epiphytische Bakterien), der Entwicklungsphysiologie und Evolution der Pflanzen (u. a. Phytohormon-Wirkungen) bis zu evolutionstheoretischen Veröffentlichungen. Seit rund 10 Jahren bin ich zeitweise wieder dort zurück, wo meine unabhängige Karriere begonnen hatte: In Stanford, Kalifornien, wo ich an einem Forschungsinstitut einen Laborbereich leite, mit eigenen physiologisch/molekularbiologischen Projekten. Zusätzlich arbeite ich seit 2009 als Visiting Scientist an der University of California/Berkeley mit einem zoologisch/entwicklungsbiologischen Schwerpunkt.

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