Britische Linke: Beistand von oben?


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Muss sich die britische Linke auf die Religion besinnen?

Von Theo Hobson|Internationale Politik und Gesellschaft

Jüngst erschien ein umfangreicher Bericht über das öffentliche Leben in Großbritannien, verfasst vom ehrwürdigen Woolf Institute. In dem Bericht wird einmal mehr auf die Vielfalt und die überwiegend säkulare Ausrichtung Großbritanniens hingewiesen und gefordert, diesem Umstand im öffentlichen Leben stärker Rechnung zu tragen. Da sich mittlerweile fast die Hälfte der Nation als nichtreligiös bezeichnet, dürfe man nicht mehr so tun, als sei Großbritannien nach wie vor ein christliches Land mit einer etablierten Kirche. Zwar gibt es formal diese etablierte Kirche, doch fühlen sich weniger als zwanzig Prozent der Briten mit ihr verbunden. Es ist kompliziert.

Dies wirft die Frage auf, ob die Religion in der britischen Politik überhaupt noch eine Rolle spielt. Abgesehen von der Angst vor dem muslimischen Extremismus steht Religion nur selten im Mittelpunkt des politischen Diskurses. Mal kritisiert ein Bischof die Wirtschaftspolitik der Regierung, ein bekanntes Ritual im politischen Geschäft, das niemanden überrascht. Mal streiten Gläubige und Verfechter des Säkularismus über den Umgang mit religiösen Symbolen; so wurde kürzlich darüber diskutiert, ob ein Werbespot, in dem das Vaterunser vorkommt, im Kino gezeigt werden darf. Doch Politiker halten sich aus solchen Streitigkeiten meist heraus. Religion spielt daher oberflächlich betrachtet in der Politik keine große Rolle. Doch unter der Oberfläche ist sie in den Ideologien der großen Parteien ein potenziell wichtiger Faktor.

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