Hinrichtungen in Saudi-Arabien: Die Mutter aller Konflikte


Nach insgesamt 47 Exekutionen kam es an verschiedenen Orten -wie hier an der saudi-arabischen Botschaft in London- zu Protesten. Foto: rtr
Der alte Streit zwischen Saudi-Arabien und Iran droht wieder zu eskalieren. Der Westen muss das verhindern, und zwar mit allen Mitteln. Sonst wird er die Folgen auch selbst empfindlich spüren.

Von Markus Decker|Frankfurter Rundschau

Kaum hat das Jahr begonnen, ist der neueste Konflikt schon da. Dabei ist der Konflikt keineswegs neu. Er hat nur eine gesteigerte Sprengkraft. Ja, es handelt sich um die Mutter aller Konflikte des Mittleren Ostens. Sollte die Auseinandersetzung zwischen Saudi-Arabien und dem Iran weiter eskalieren, sollte es gar zum offenen Krieg kommen – dann steht die Region endgültig in Flammen.

Es ist letztlich egal, wer den jüngsten Streit ausgelöst hat. Und natürlich ist es Saudi-Arabien mit seinen menschenverachtenden Hinrichtungen von 47 so genannten schiitischen „Terroristen“, auf die nicht allein der Iran mit Protesten reagiert. Denn in Wahrheit handelt es sich nur um den vorläufigen Schlusspunkt einer längeren Entwicklung. Die beiden Regionalmächte sind in praktisch alle Konflikte der Gegend verwickelt: im Irak, in Syrien, im Libanon und im Jemen. Es handelt sich in Teilen um Stellvertreter-Kriege. Dabei sind sich Saudi-Arabien und der Iran ähnlicher, als beiden lieb ist. Beide streben nach Vorherrschaft gegen den anderen. Und beide haben Angst vor dem anderen. Das ergibt hier wie dort eine hübsche Paranoia.

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