Türkei: Die Instrumentalisierung der Turkmenen


Französische Karte aus dem Jahr 1935 über die Verteilung religiöser und ethnischer Minderheiten in Syrien und im Libanon. Bild: Wikimedia/Institut français du Proche-Orient/gemeinfrei
Syrien ist für Russlands geopolitische Strategie von enormer Bedeutung. Die russische Flotte im syrischen Tartus sichert die strategische Präsenz im Mittelmeer und im Atlantik. Die Verbindung mit dem Assad-Regime in Syrien gewann als Folge des Libyenkrieges 2011 an Bedeutung: Russland hatte unter großen Bauchschmerzen einer UN-Flugverbotszone über Libyen zugestimmt.  

Von Elke Dangeleit und Michael Knapp|TELEPOLIS

Die NATO, speziell Großbritannien und Frankreich, hatten dieses Mandat überdehnt und mit ihrer Luftwaffe aktiv Partei ergriffen und den Regimechange in Libyen unterstützt. Heute ist Libyen ein failed state mit starker IS-Präsenz. Eine ähnliche Entwicklung wollte Russland in Syrien von Anfang an verhindern.

Die USA und die NATO versuchten von Anfang an, den russischen Einfluss in Syrien so weit wie möglich einzudämmen. Sie setzten dabei auf ihre regionalen Verbündeten Türkei, Saudi Arabien und Katar. Aufgrund ihrer eigenen islamistischen Orientierung hatten und haben diese Länder keinerlei Interesse, eine multiethnische und multireligiöse Lösung herbeizuführen und setzten einseitig auf sunnitische, dschihadistisch und salafistische Allianzen – je nach eigener Präferenz mehr auf al-Qaida, IS oder die Muslimbrüder.

Konfessionell-sektiererische Dimensionen

Erst am 28.12.2015 wurden bei der Offensive der SDF (Syrian Democratic Forces) gegen den IS beim Tishrin-Damm am Euphrat (Erfolg der Kurden gegen den IS stört türkische Interessen) angeblich an den Jemen adressierte saudische Waffen sichergestellt. Es ist kein Geheimnis, dass im Hegemonialkrieg im Jemen zwischen Saudi Arabien (mit NATO- Unterstützung) und Iran salafistische Gruppen, die dem IS und al-Qaida nahestehen, mit Waffen gegen die schiitischen Huthi-Rebellen versorgt und aus der Luft von saudischen Kampffliegern unterstützt werden.

Deutlich wird die sektiererische Dimension der saudischen Politik auch in der Gründung einer islamischen Militärallianz, der 33 muslimische Staaten angehören sollen (zumindest Libanon und Pakistan dementieren von ihrer angeblichen Mitgliedschaft zu wissen), aber shiitisch dominierte Staaten wie Irak und Iran, und auch Syrien aktiv ausgeschlossen sind (Saudi-Arabien ruft neue islamische Anti-Terror-Koalition aus).

Die genannten Staaten sind alle entweder selbst NATO-Mitglieder oder ihre engen Verbündeten und auch die USA und die NATO setzten in Syrien und im Irak auf taktische Bündnisse mit dschihadistischen Gruppen. Dies machte den Aufstieg des IS überhaupt erst möglich.

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