Clan-Kriminalität: „Große Macht geht von Familienältesten aus“


Es sind immer wieder dieselben arabischen Großfamilien, die der Polizei in Berlin zu schaffen machen. Foto: dpa
Familienclans werden in einigen Städten für Straßenkriminalität verantwortlich gemacht. Ein Islamwissenschaftler sieht die frühere Einwanderungspolitik als Ursache des Problems.

Von David Fischer|Berliner Zeitung

Berlin, Bremen, Lüneburg, Hildesheim, Essen oder Duisburg: In einigen Städten stehen Mitglieder libanesischer Großfamilien wegen Drogenhandels, Randale oder anderer Gewalttaten im Fadenkreuz der Polizei. „Inzwischen gibt es Stadtviertel, in denen man nur einen bestimmten Familiennamen nennen muss, und alle zucken zusammen“, sagt Islamwissenschaftler und Jura-Professor Mathias Rohe von der Universität Erlangen-Nürnberg. Im Interview erklärt er, wie es dazu kommen konnte.

Frage: In vielen größeren deutschen Städten werden libanesische Clans verdächtigt, mit kriminellen Strukturen den Rechtsstaat zu unterwandern. Was ist bei der Integration schiefgelaufen?

Mathias Rohe: In den 80er und 90er Jahren sind Tausende aus dem Libanon nach Deutschland geflüchtet. Man vergisst oft, dass viele von ihnen schon in der Heimat Underdogs waren, also Menschen, die in ihrem Herkunftsland am Rande der Gesellschaft standen. Ihnen wurde der Zugang zum Arbeitsmarkt verwehrt, manche wurden als Staatenlose behandelt. Bei ihrer Ankunft in Deutschland beruhte die Aufnahmepolitik noch auf Abschreckung. Es gab die unglückliche Regelung, dass Flüchtlinge mehrere Jahre lang warten mussten, bis sie erst arbeiten durften. Viele – aber nicht alle – rutschten dadurch ins kriminelle Milieu ab.

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