Liechtenstein: Schwierige Entflechtung von Kirche und Staat


Liechtensteins Regierung hofft 2016 auf ein Konkordat mit dem Vatikan. (Bild: Eddy Risch / Keystone)
Über Jahrhunderte bildeten katholische Kirche und Staat praktisch eine Einheit im Fürstentum Liechtenstein.Die Trennung gestaltet sichnicht einfach. Dennoch hofftdie Regierung auf einen Abschluss noch in diesem Jahr.

Von Günther Meier|Neue Zürcher Zeitung

Erzbischof Wolfgang Haas erhielt am 9. Dezember einen Ziegelstein aus der Mauer der Heiligen Pforte, die Papst Franziskus zum Beginn des Heiligen Jahres geöffnet hatte. Weder der Inhalt der als «Eilpost» deklarierten Ziegelstein-Sendung aus dem Vatikan noch die Ausstellung des Steins in der Mutterkirche der Erzdiözese Vaduz sorgten in Liechtenstein für besondere Aufregung. Die geringe Aufmerksamkeit der Bevölkerung steht in einem gewissen Kontrast zu den Herausforderungen, denen sich das Fürstentum seit der umstrittenen Errichtung des Erzbistums Vaduz im Jahr 1997 gegenübersieht. Die mit der Errichtung des Erzbistums geforderte Neuordnung des Verhältnisses von Kirche und Staat ist immer noch nicht zu einem Abschluss gebracht worden, weil sich allein schon die materielle Entflechtung von Besitztum und Nutzung von Kirchen und Friedhöfen in den einzelnen Gemeinden als schwieriger erwies als erwartet. Regierungschef Adrian Hasler hat dennoch gegenüber dem Parlament angekündigt, das Reformvorhaben noch in dieser Legislaturperiode – also bis Ende 2016 – abschliessen zu wollen. Weniger Eile scheint das Erzbistum zu haben, das auf eine «sachgerechte und gesetzeskonforme Lösung» pocht.

weiterlesen