Erdogan kann niemals Partner des Westens sein


Foto: pa/AA Ein Besuch mit besonderer Wirkung: Erdogan ließ sich als Präsident feiern, vor dem die mächtigste Politikerin Europas zu Kreuze kriecht – so seine Vorstellung
Europa hat viele Fehler im Umgang mit der Türkei gemacht. Daher kann jetzt der Staatspräsident so auftrumpfen. Doch nur ein Weg hilft aus der autokratischen Falle: ein Demokratie-Deal mit Brüssel.

Von Deniz Yücel|DIE WELT

Angela Merkel trifft nicht die Hauptschuld, dass die islamisch-autoritäre AKP bei der Wiederholung der Parlamentswahl in der Türkei einen fulminanten Sieg davongetragen hat.

Es waren schon die knapp fünfzig Prozent der türkischen Wählerinnen und Wähler selber, die teils aus Einschüchterung und Opportunismus, vor allem aber aus Überzeugung der AKP und Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan diesen Triumph beschert haben. Es ist aber auch nicht so, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel damit gar nichts zu tun gehabt hätte.

Als sie wenige Tage vor dem Wahltermin nach Istanbul reiste und man sie auf einem vergoldeten Sessel des Dolmabahçe-Palastes platzieren ließ, hatte sie das Ihrige getan. Dabei war gar nicht entscheidend, was Merkel konkret mit Erdogan vereinbart hatte.

Mit ihrem Deal – drei Milliarden Euro aus der EU-Kasse und ein paar vage politische Zugeständnisse im Gegenzug für bessere Grenzkontrollen – hatte sie eigentlich die Türkei zur Pufferzone der EU erklärt.

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