Chefredakteur von „Charlie Hebdo“: „Wir scheißen auf euch“


© Catheline/Charlie Hebdo „Wahrlich, ich sage euch, wir werden noch lange gemeinsam lachen“: „Charlie Hebdo“ erinnert an das Attentat mit einem Bild wie beim letzten Abendmahl. Die Lebenden und die Toten der Redaktion sind alle versammelt, mittendrin der Chefredakteur Stéphane Charbonnier, der ebenfalls am 7. Januar 2015 ermordet wurde.
Vor genau einem Jahr stürmten zwei Islamisten die Redaktion der Satirezeitung und ermordeten zwölf Menschen. Wie konnte „Charlie Hebdo“ danach überhaupt noch erscheinen? Ein Gespräch mit dem Chefredakteur Gerard Biard.

Von Bertrand Pecquerie|Frankfurter Allgemeine

Ein Jahr nach dem Anschlag auf die Redaktion von „Charlie Hebdo“ – was möchten Sie heute nicht mehr hören?

Ich fürchte, ich werde es hören: Als Reaktion auf Terroranschläge kommen die Leute oft mit Erklärungen und Begründungen, die wie Rechtfertigungen klingen. Das ist nicht akzeptabel. Eine totalitäre Ideologie, die auf religiösem Dogma beruht, kann man aus meiner Sicht nur ablehnen. Etwas anderes ist nicht möglich.

Aber nicht alle Erklärungen sind Rechtfertigungen.

Stimmt, aber die Terrorgruppe Daesh (der IS) hat tausend Gründe, uns zu hassen. Die Suche nach Erklärungen ist ein endloses Unterfangen, welches das Risiko birgt, dass man nach „guten Gründen“ sucht. Die gibt es aber nicht, denn diese Leute wollen nichts anderes, als unserer demokratischen Gesellschaft eine fundamentalistische religiöse Ideologie aufzuzwingen.

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 Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)
Das aktuelle Cover der Satirezeitschrift Charlie Hebdo. (Foto: Charlie Hebdo/AFP)