Das Christentum und die Sache mit dem Sex


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Es ist kompliziert. Sehr kompliziert und voller Widersprüche. Das ist, kurz gesagt, das Fazit der Geschichte von „Ehe, Liebe und Sexualität im Christentum“. Vorgelegt hat sie der vom Niederrhein stammende Theologe und Priester Arnold Angenendt, der lange in Münster lehrte. Wer nun glaubt, ein katholischer Priester müsse über Sexualität schreiben wie der Blinde von der Farbe, nämlich weltfremd, der nehme Angenendt zur Hand – er wird angenehm überrascht, auch wenn das Fazit vor allem aus katholischer Sicht durchaus (der Kalauer sei erlaubt) unbefriedigend ausfällt.

Von Frank Vollmer|RP ONLINE

Angenendt schüttelt eine Reihe oft gehörter Thesen über Religion und Sex gründlich durcheinander. Das Christentum misstraut der Frau? Ja, es gibt üble Sätze der Kirchenväter, aber Jesus und Paulus waren Revolutionäre, widerspricht Angenendt, weil sie die Gleichwertigkeit der Geschlechter anerkannten. Die romantische Ehe ist eine christliche Erfindung. Augustinus hat den Christen die Leibesfreuden vergällt? Wollust in der Ehe ist für ihn das Normalste der Welt. Die Reformatoren waren ja so aufgeschlossen? Zürich richtete, kaum protestantisch geworden, flugs ein „Ehe- und Zuchtgericht“ ein, das aus dem kirchlichen weltliches Recht machte – Ehebrecher wurden ertränkt.

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