Martin Luthers Judenschriften: Die dunkle Seite der Reformation


LutherLogo_50Wenn demnächst 500 Jahre Reformation gefeiert werden, drängt sich auch die Frage nach Martin Luthers Antisemitismus auf. Zentrales Dokument seines Judenhasses ist die 1543 entstandene Schrift „Von den Juden und ihren Lügen“. Welches Erbe hat Luther damit hinterlassen?

Von Kirsten Serup-Bilfeldt|Deutschlandradio Kultur

„Tod durch den Strang“ lautet das Urteil. Obwohl Julius Streicher, der angeklagte Judenhetzer und Herausgeber des antisemitischen Schmierblattes „Der Stürmer“ während des Nürnberger Prozesses bis zuletzt versucht hatte, seinen Kopf aus der Schlinge zu ziehen. Etwa mit dieser Aussage zu seinem Judenhass:

„Wenn Martin Luther heute lebte, dann säße er hier an meiner Stelle…“

Ganz von der Hand zu weisen war diese „Verteidigungsstrategie“ wohl nicht. Es sei nicht auszuschließen, so der Göttinger Kirchenhistoriker Professor Thomas Kaufmann mit Blick auf Luthers „Judenschriften“:

„Dass diese Schriften, die jahrhundertelang unbeachtet geblieben sind, eine unheilvolle Wirkung gerade im frühen 20. Jahrhundert und damit in der Vorgeschichte des Holocausts ausgeübt haben und damit so etwas wie Ermöglichungsfaktoren des eliminatorischen Antisemitismus der Nazis geworden sind.“

Tatsächlich haben Luthers judenfeindliche Polemiken jahrhundertelang böse Früchte getragen. „Das schwere Erbe der Reformation“, heißt es folglich auch heute noch unter Protestanten etwas ängstlich-verklemmt:

„Das ist das, was man von Luther sagen muss. Er ist ein schwieriger Reformator, weil er es heute den Menschen nicht leicht macht, ihn zu mögen. Es steckt zu vieles drin, was nicht gemocht werden kann.“

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