Professoren fürchten den Shitstorm


Das Prinzip ist neu für die universitäre Welt: Aus der Halböffentlichkeit des Hörsaals wird durch das Internet die größtmögliche Bühne (Foto: Fredrik von Erichsen/dpa )
  • Auch an Universitäten tritt das Phänomen des digitalen „Shitstorms“ auf.
  • In einer Fachzeitschrift zeigt sich die Professoren-Gewerkschaft DHV besorgt über „digitale Pranger“, an die Hochschullehrende gestellt werden.

Von Johann Osel|Süddeutsche.de

Schon ein Wort genügte. Da sprach der Professor einmal über die Rechte der Frauen in der alten Bundesrepublik und merkte an, dass der Ehemann ihnen selbständige Arbeit verbieten und ihre Stelle kündigen konnte. Sein Fazit: „Eigentlich ungeheuerlich“.

Nach Ansicht der Studenten ergab die Abschwächung durch das Wort „eigentlich“ keinen Sinn. Sie sage stattdessen viel aus über den Politikwissenschaftler Herfried Münkler und zeige, wes Geistes Kind der Professor sei: ein Sexist, Rassist und Kriegstreiber. Eine anonyme Studentengruppe hatte die Vorlesungen Münklers an der Berliner Humboldt-Universität zuvor dokumentiert und entsprechend stark bewertet.

Viele Professoren blicken bange auf „Shitstorms“

Das Prinzip ist neu für die universitäre Welt: Aus der Halböffentlichkeit des Hörsaals wird die größtmögliche Bühne. Das versetzt Professoren in Sorge. Wie sehr, das zeigt die Januar-Ausgabe der Zeitschrift Forschung & Lehre, herausgegeben von der Professoren-Gewerkschaft DHV. Der Rechtsprofessor Josef Franz Lindner von der Uni Augsburg blickt darin bange auf „Shitstorms“ gegen Professoren: digitale Pranger, „die im Schutze der Anonymität ihre zerstörerische Wucht entfalten“.

weiterlesen