Blasphemie und Religionskritik: Gedärme auf der Jungfrau Maria


Die russische Punk-Band Pussy Riot, hier beim Budapester Szigetfestival, ist vor allem bekannt für von vielen Russen als gotteslästerlich empfundene Aktionskunst in Kirchen (picture alliance / dpa / Balazs Mohai)
Wie viel Religionskritik ist erlaubt? Gibt es überhaupt so etwas wie Gotteslästerung? Mit Filmen, Büchern, Kunstwerken und Karikaturen werden diese Fragen immer wieder aufgeworfen. Ein neuer Sammelband stellt verschiedene Werke vor – beschränkt sich aber weitgehend auf das Christentum.

Von Bernd Sobolla|Deutschlandradio|Kultur

„Da ist noch eine Sache. Ich habe mir vorgestellt, wie ich heilig werde. Wie ich aus großer Liebe zu Gott ihm mein ganzes Leben als Opfer anbiete. Und er mein Opfer annimmt.“

In dem Drama „Kreuzweg“ von Anna und Dietrich Brüggemann fühlt sich ein Mädchen zur Märtyrerin berufen und stirbt im religiösen Wahn. Es ist das Resultat einer rigiden Erziehung. Die Filmemacher verstanden ihr Werk, das 2014 erschien, als Kritik an christlichem Fundamentalismus.

Die angegriffene Piusbruderschaft reagierte ungerührt: Der Film beschreibe nicht den Geist der Bruderschaft und sei eine Karikatur, hieß es. Doch Kritik an religiösen Instanzen wurde keineswegs immer so lapidar hingenommen. So erlebte Georg Grosz wegen Gotteslästerung eine Prozesslawine, als er nach dem Ersten Weltkrieg einen Christus am Kreuz mit Gasmaske malte und mit der Unterschrift versah: „Maul halten und weiter dienen!“

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