„Im Nachrichtengeschäft geht es um Interessen, nicht um Wahrheit“


Bild: wikimedia.org/CC-2.5/MarkusAngermeier
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Kurt Gritsch, Historiker, Konflikt- und Migrationsforscher, beobachtet und analysiert seit Jahren die Berichterstattung großer Medien in Sachen Krieg. Im Interview mit Telepolis verweist er auf die Schwächen der Berichterstattung und stellt fest, dass Medien weit entfernt von einem neutralen Journalismus sind, wenn es um Themen wie zum Beispiel Syrien geht. Gritsch, der Projektmitarbeiter des Instituts für Zeitgeschichte der Universität Innsbruck ist und als Gymnasiallehrer arbeitet, erklärt im Interview außerdem, wie es zur Eskalation in Syrien kommen konnte und wirft einen kritischen Blick auf die Rolle Deutschlands im Hinblick auf seine Beteiligung an Einsätzen im Ausland. Die Entscheidung, Tornados nach Syrien zu entsenden, hält der in der Schweiz lebende Südtiroler für „weder ethisch vertretbar noch völkerrechtlich abgesichert noch von realpolitischem Nutzen“.
 

Von Marcus Klöckner|TELEPOLIS

Herr Gritsch, Sie setzen sich als Zeithistoriker mit dem Thema Krieg auseinander. Was beobachten Sie in Syrien?

Kurz Gritsch: Syrien ist nach Libyen ein weiterer tragischer Fall im Kontext des „Arabischen Frühlings“, bei dem die Hoffnung auf mehr Freiheit von der Realität eines Bürgerkrieges zerstört wurde. Inzwischen geht es um die Neuordnung der gesamten Region einschließlich des Irak im Interesse internationaler wie regionaler Mächte. Um ein neues Sykes-Picot-Abkommen sozusagen, nur diesmal unter Einschluss der regionalen sunnitischen und schiitischen Mächte.

Wie ordnen Sie das, was in Syrien passiert, ein?

Kurz Gritsch: Einerseits geht es um innersyrische Machtkämpfe, andererseits wurde und wird der Krieg durch den Einfluss von außen eskaliert. Im innerstaatlichen Kontext gab es zu Beginn des Jahres 2011 Demonstrationen, die im Zeichen des „Arabischen Frühlings“ standen. Viele waren mit dem Regime von Präsident Baschar al-Assad unzufrieden. Es gab Forderungen nach mehr politischen Freiheiten, die Demonstranten prangerten Korruption und Misswirtschaft an. Die Triebfeder waren sozioökonomische Motive, also sowohl Kritik an staatlicher Kontrolle als auch Misswirtschaft und Arbeitslosigkeit.

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