David Berger – der Selbstmystifizierer


Bild: Timo Rödiger/DIE KOLUMNISTEN
Seit geraumer Zeit versucht David Berger die deutsche Schwulenszene zu diskreditieren, zu verleumden und zu spalten. Wolfgang Brosche stellt fest, was hinter diesen Sabotageakten wirklich steckt.

Von Wolgang Brosche|DIE KOLUMNISTEN

Bluff

Im Jahre 1880 trat der französische Schriftsteller, Leo Taxil, Freimaurer und Leiter eines antiklerikalen Verlages mit großem Getöse und Aufsehen zum Katholizismus über. Er trennte sich von seiner Frau und seinen Freunden und veröffentlichte die „Bekenntnisse eines ehemaligen Freidenkers“. Bald empfingen ihn Bischöfe und Erzbischöfe, die diesen bekehrten Atheisten beglückt auch Papst Leo XIII. anempfahlen. In einer Privataudienz fiel Taxil dem erfreuten Pontifex vor die Füße. Solcherweise vatikanisch beglaubigt, begann der nun als streng katholisch geltende Autor Schriften und Berichte zu veröffentlichen über einen weltumspannenden Teufelskult, den sogenannten Palladismus (nur mit sarkastischem Zungen- und Augenaufschlag auszusprechen!).

Taxil präsentierte glaubhaft reuige Sünder, die bei schwarzen Messen und anderen Orgien sogar einem Teufel den Schwanz ausgerissen haben wollten. Diese Reliquie wurde wohlwollend vom hohen französischen Klerus begutachtet (penis et circenses). Die Jesuiten, die sich innigst auch eine Reliquie für ihren Orden wünschten, das Herz der Jeanne d´Arc, beauftragten darauf Taxil, dieses Organ der Jungfrau zu finden, das sie unversehrt wähnten. Das nicht verwesende Herz ist bei katholischen Heiligen wohl immer derjenige Körperteil, an dem sie am wenigsten verletzlich sind.

Eine weitere glaubenstechnische Großtat Taxils war die Anregung zu einem Antifreimaurerkongreß in Trient, zu dem Kanzelredner, Theologen, Ordensgeistliche und hohe katholische Würdenträger nur so strömten. Die versammelte Corona ließ sich mit ernsten Gesichtern photographieren – Taxil sandte einem Freund dieses Lichtbild und wies darauf hin: „Beachten Sie bitte, daß alle Personen auf diesem Bilde ein ernstes Gesicht machen – nur ich bin der einzige, welcher lacht!“

Dazu hatte er auch allen Grund: 1897, ein Jahr nach dem Kongreß, rief Taxil erneut die katholische Öffentlichkeit und die französische Presse in einem Pariser Theater zusammen. Dort erklärte er lachend, sie alle seien einer viele Jahre betriebenen Mystifikation aufgesessen. Er sei noch immer Freidenker und Kirchenfeind und habe mit diesem groß angelegten Schwindel, der ihm zu internationaler Bedeutung verholfen hatte, Aberglauben und Fanatismus entlarven wollen.

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