Die Angst des weißen Mannes


Bild: FOCUS Online
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Nach den Angriffen auf Frauen in Köln werden sexuelle Ressentiments gegen Schwarze und andere Fremde mobilisiert. Von links und von rechts. Eine kurze Kulturgeschichte der bedrohten Unschuld.

Von Alan Posener|DIE WELT

Schon interessant, wie links und rechts Männerhirne ähnlich ticken. Zu den Kölner Angriffen gegen Frauen fiel den Redaktionen von „Focus“ und „Süddeutscher Zeitung“ keine bessere Bebilderung ein als schwarze Hände auf weißen Frauenkörpern. In der „Süddeutschen“ – wo auch schon Artikel zu Facebook mit einem Juden als Weltkrake und Artikel zu Israel mit einem Juden als Monster bebildert wurden – griff die Hand gleich nach den Genitalien. Auf dem Cover des „Focus“ bedeckte die blonde Schönheit selbst ihre Scham, überall sonst jedoch hatten offensichtlich schmierige und schmutzige schwarze Hände ihren Abdruck hinterlassen.

Der Frauenkörper, hier wurde er doppelt und dreifach zum Objekt: der schwarzen Hände wie des Blicks und der Fantasien der weißen Männer, auf deren Gelüste und Ängste die Titelbilder zielten: „Sind wir noch tolerant oder schon blind?“ Den Mechanismus solcher Skandalisierung legte schon William Shakespeare bloß, als er seinen Lear sagen ließ: „Du schuft’ger Büttel, weg die blut’ge Hand!/ Was geißelst du die Hure? Peitsch‘ dich selbst:/ Dich lüstet heiß, mit ihr zu tun, wofür/ Dein Arm sie stäupt.“ Der „Focus“-Titel spekuliert auf die Lust der Leser, das zu tun, wofür sie die Migranten hassen.

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