„Man kann verantwortungsvoll mit dem Rauschmittel Religion umgehen“


Der Autor und Journalist Dietmar Dath (picture-alliance / dpa / Erwin Elsner)
Der einstige SPEX-Chefredakteur und heutige FAZ-Feuilletonist Dietmar Dath hat seinen neuen Roman einer gesellschaftlichen Kraft gewidmet, die in seinem Werk bisher keine prominente Rolle gespielt hat: der Religion. „Leider bin ich tot“ ist ein Versuch, Gott oder das Göttliche zu verstehen.

Dietmar Dath im Gespräch mit Benedikt Schulz|Deutschlandfunk

Der Grundgedanke seines Romans: Es gibt zwischen Himmel und Erde Dinge, die sich nicht erklären lassen. Und doch versuchen  Menschen sich diese Dinge zu erklären. Wenn es niedrigere und höhere Formen intelligenter Lebensformen auf der Erde gibt, warum sollte es dann nicht auch höhere Intelligenzen als den Menschen im Universum geben? Formen von Intelligenz, die wir nicht verstehen und die man Gott nennen könnte? Dietmar Dath verwebt die Einzelschicksale von rund 10 Menschen und einer Person, die mehr ist als ein Mensch.  Ein Versuch, Gott oder das Göttliche zu verstehen.

Benedikt Schulz: Dietmar Dath, Sie haben mal in einem Interview gesagt, immer dann, wenn es für Sie grundsätzlich wird, dann kommen Sie ins Erzählen. War das mal eine Frage der Zeit, dass Sie auch mal zu so etwas Grundsätzlichem wie Religion erzählen wollten?

Dietmar Dath: Also, erstens habe ich es in Wirklichkeit schon immer gemacht – und es wird hier nur explizit. Wenn Sie an „Waffenwetter“ denken, das handelt die ganze Zeit davon, wie sozusagen das „Turmbau zu Babel“-Gleichnis in die Gegenwart überführbar wäre. Das heißt, ob es nicht vorstellbar wäre, dass nicht der ‚liebe Gott‘ unsere Sprache verwirrt hat, sondern dass wir die Sprache von etwas verwirrt haben, das größer und stärker ist als wir selber – nämlich des ganzen Weltsystems, des sozialen Weltsystems, in dem wir leben. Das war also sozusagen schon ein religiöses Motiv, allerdings von innen nach außen gekrempelt. Und hier krempele ich es halt einfach wieder zurück.

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