Pegida: Und nun, Dresden?


Bild von der gestrigen Pegida-Demo. Twitter
Bild von der gestrigen Pegida-Demo. Twitter
Pegida erschüttert Sachsens Landeshauptstadt, versetzt sie in Aufruhr, zerstört ihren Ruf. Doch es gibt auch Menschen, die in der Krise eine Chance sehen. Ein Besuch.

Von Bernhard Honnigfort|Frankfurter Rundschau

Eine Tag vor Silvester stand in der „Sächsischen Zeitung“ ein langer und mit Witzen angereicherter Beitrag über Humor, der mit der Behauptung überraschte, das Epizentrum deutscher Heiterkeit liege in Sachsen. Ausgerechnet in Sachsen. Warum dort das Epizentrum liegen soll, wurde bedauerlicherweise nicht ausgeführt.

Eine gewagte Behauptung. Wer lange in Dresden lebt, wer vor allem das vergangene Jahr miterlebt hat, ist in Sachsen nämlich auf ganz andere Epizentren gestoßen, auf das deutscher Heiterkeit gewiss nicht.

Dresden wirkt seit Pegida wie durch den Fleischwolf gedreht. Der Ruf der Stadt ist ruiniert. Die Bewohnerschaft ist gespalten in Anhänger und Gegner, ein Teil ist völlig ratlos, ein anderer hält sich raus. Dresden 2016 ist nicht mehr wie Dresden 2013. Man versteht die Welt nicht mehr. Pegida – die „Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes“ – ist wie ein Blitz in die alte Barockstadt gefahren. Pegida hat aufgeräumt mit dem schönen Märchen von der boomenden und blühenden Stadt mit seinen Dutzenden Museen, der Semperoper und der Staatskapelle, dem wiederaufgebauten Schloss, Schauspielhaus, all der Pracht aus Sandstein und Historie, mit der stolzen Geschichte von der Kraft der Bürgergesellschaft und ihrer neu errichteten Frauenkirche, dem Silicon-Saxony-Boom und milliardenschweren Investitionen aus USA oder Arabien.

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