Riskante Routine: Antibiotika im Stall gefährden Humanmedizin


Konventionell gehaltene Milchkühe erhalten 1,5- bis 3,3-mal jährlich Antibiotika. Foto: Picture alliance / dpa
80 Prozent der Milchkühe in Deutschland erhalten vor der Geburt eines Kalbes Antibiotika. Auch für den Menschen steigt die Gefahr von Infektionen, gegen die es kein Mittel gibt.

Von Wolfgang Hassenstein|greenpeace magazin

Nicht nur in Hühner- und Schweineställen, auch in der Milchwirtschaft ist der Einsatz von Medikamenten beinahe schon Routine: Vier von fünf Kühen erhalten vor der Geburt ihres jeweils nächsten Kalbes spezielle Antibiotika, ergab eine Recherche der Organisation Germanwatch. Noch alarmierender ist eine weitere Zahl: Jede zehnte Behandlung erfolgt laut Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) mit sogenannten Reserveantibiotika – also Arzneien, die eigentlich nur im Notfall angewendet werden sollen, wenn gängige Antibiotika wegen bereits entwickelter Resistenzen nicht mehr wirken.

„Mit jedem Einsatz von Antibiotika wird die Entwicklung von resistenten Keimen begünstigt“, erklärt die Agrarexpertin und Autorin des Berichts Reinhild Benning. „Der Gebrauch der für den Schutz des Menschen wichtigen Reserveantibiotika ist besonders kritisch zu sehen.“ Bestimmte Reserveantibiotika, die auch in der Milchviehhaltung Anwendung finden, werden von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „besonders wichtig“ für den Menschen eingestuft.

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