Fremdes Leben im Sonnensystem


Mars-Oberfläche. Bild: Alamy
Könnte es trotz Säurewolken, infernalischer Hitze, tödlicher Strahlung und extremer Kälte doch Leben in unserer kosmischen Nachbarschaft geben?
 

TELEPOLIS

Am nordöstlichen Saum des gewaltigen Vatnajökull-Gletschers ragt das Kverkfjöll-Gebirge auf: Eine Kette aktiver Vulkane, die sich von der monotonen Landschaft Islands abheben. Tief unter diesen Bergen brodelt heißes Magma in unterirdischen Kammern. Hitze aus diesem Hexenkessel lässt das Gletschereis darüber tauen, was eine spektakuläre Eishöhle von 2,8 Kilometern Länge hat entstehen lassen. Das Schmelzwasser sammelt sich in Seen, die gefrieren würden, hielte sie nicht die geothermale Energie der unterirdischen Magmakammern flüssig.

Diese heißen Säureseen mögen zunächst kaum als lebensfreundlich erscheinen, doch gleichwohl haben bestimmte Bakterien dort ihren Lebensraum. Ian Crawford, Professor für Planetare Wissenschaft und Astrobiologie am Birkbeck College der University of London, erforscht diese robusten Organismen. „Ich nehme Proben aus den kochenden Säurenseen. Wir wollen herausfinden, wie sich das Leben angepasst hat, um dort leben zu können.“ Diese Bakterien sind nur ein Beispiel für Extremophile – Organismen, die unter Bedingungen, die man noch bis vor kurzem für absolut lebensfeindlich hielt, nicht nur mit Ach und Krach überleben, sondern vielmehr blühen und gedeihen. Halophile sind extrem salzresistent, Xerophile überleben an den trockensten Orten unseres Planeten, Alkaliphile gedeihen an stark basischen Orten.

Die Erkenntnis, dass Leben an scheinbar desolaten Orten auf der Erde existieren kann, gab Wissenschaftlern die Hoffnung, ähnliche Lebensformen unter extremen Bedingungen an anderen Orten im Sonnensystem zu finden. Die Forschungen von Ian Crawford in Island helfen, potenziell lebensfreundliche Umgebungen auf dem Mars zu identifizieren. „Kochendes Säurewasser verändert umgebendes Gestein“, erklärt er. Eine Interaktion zwischen Vulkanen und Eis fand in der früheren Marsgeschichte sehr häufig statt. Die Mars-Rover tragen Instrumente, um entsprechende Veränderungen am Gestein zu entdecken. So finden sie Stellen auf der Marsoberfläche, die vielleicht einst hydrothermale Becken beherbergten. „Mars erlaubt heute wohl kein Leben, früher aber vielleicht schon.“ Selbst der Nachweis von Marsleben, das bereits vor langer Zeit ausgestorben ist, wäre ein großer wissenschaftlicher Durchbruch.

Der Mars ist der Planet, der uns derzeit wohl am meisten fasziniert. Dank einer Serie von Rovern, Landern und Orbitern wissen wir über diesen Planeten mehr als über seine Nachbarn. Ja, genaugenommen wissen wir über bestimmte Teile des Mars sogar mehr, als wir über bestimmte Regionen unserer eigenen Erde wissen: Wir haben eine bessere Karte der Marsoberfläche als des irdischen Ozeanbodens! Während der zehn Jahre, in denen die Mars-Express-Mission der Europäischen Weltraumagentur ESA bereits den Mars umkreis, wurden 95% der Oberfläche abfotografiert.

Insgesamt vier Mars-Rover – fahrende Roboter, die von der Erde aus ferngesteuert werden – wurden erfolgreich gelandet. Die Rover Sojourner und Spirit sind mittlerweile außer Betrieb, doch Opportunity und Curiosity sind aktiv. Curiosity hat unlängst das dritte Jahr erfolgreicher Marserkundung gefeiert. Diese Rover haben unser Wissen über den Planeten revolutioniert. Wir verdanken ihnen nicht nur phantastische Bilder, wie etwa spektakuläre Marssonnenuntergänge. Die Rover haben auch die Oberfläche nach Indizien einstiger Lebensfreundlichkeit des Mars abgesucht. Und was sie gefunden haben, hat Wissenschaftler elektrisiert.

weiterlesen