Christentum: „Sexualität benachteiligt die Frau erschreckend“


„Und Gott schuf sie als Mann und Frau“ – und auch die Gleichberechtigung? Foto: Getty Images
Die romantische Liebe als eine Erfindung des Christentums: Im Interview spricht Historiker Arnold Angenendt über Grausamkeiten der Geschlechtlichkeit, sexuelle Befriedigung und Verbote der Kirche.

Von Andreas Fasel|DIE WELT

Arnold Angenendt ist ein Mann fürs Grundsätzliche. Der Münsteraner Kirchenhistoriker ist bekannt dafür, dass er bis ins Detail aufdröselt, warum, wieso und weshalb die Kirche so geworden ist, wie wir sie heute kennen. Dabei bringt er immer wieder unbequeme Wahrheiten ans Licht. Jetzt hat er sich das Verhältnis des Christentums zu Sexualität, Liebe und Ehe vorgeknöpft.

Welt am Sonntag: Sie beginnen Ihr Buch mit Berichten über historische Sex-Sklavinnen, Massen-Vergewaltigungen und andere Gräueltaten. Heute hört man so etwas von Boko Haram oder IS. Bei der Lektüre könnte man zu dem Schluss kommen, das wäre die weltgeschichtliche Normalität.

Arnold Angenendt: Wir denken seit der Romantik bei Ehe und Partnerschaft an Erotik und an ein Gefallen-aneinander-Haben. Dieses Bild muss man als Selbstverständlichkeit infrage stellen oder wenigstens einschränken. Geschlechtlichkeit ist mit so vielen Grausamkeiten verbunden gewesen, wie wir uns das gar nicht mehr vorstellen können. Jahrhundertelang wurden den Mädchen in China die Füße verstümmelt. Wir sollten uns die Neuartigkeit unserer Ehevorstellung bewusst halten.

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