Judenmissionarische Gruppen und die evangelische Kirche


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Der Konflikt zwischen judenmissionarischen Gruppen und der evangelischen Kirche ist ein Beispiel dafür, wie theologische Nebenwege politischen Zündstoff bergen können.

Von Ulrike Heitmüller|TELEPOLIS

Der Hintergrund für eine christliche Judenmission

Die christlich-heilsgeschichtliche Interpretation der Bibel ordnet das Judentum notwendigerweise dem Christentum unter. Nett gesagt, wäre das Judentum die Wurzel oder Grundlage des Christentums. Etwas böser gesagt, würde das Christentum das Judentum vollenden oder auch ablösen. Die Grundfrage in der Einstellung von Christen gegenüber Juden ist, wie schon geschrieben, Jesus Christus: Ist er der Sohn Gottes, der im Alten Testament verheißene Messias – und infolgedessen: Ist der Glaube an Jesus Christus als Gottes Sohn notwendig zum Heil, also zur Erlösung zum ewigen Leben nach dem Tod?

Das Judenchristentum

Die Auseinandersetzung um das Verhältnis zwischen Judentum und Christentum hat eine lange Geschichte. Sie liegt im Christentum selbst begründet, weil Jesus Jude war – und die ersten Christen auch.

Schon in den ersten Jahrhunderten nach Christus haben sich Juden ebenso wie „Heiden“ dem christlichen Glauben zugewandt. Unter Judenchristen1 versteht man historisch meist Juden, die sich zu Christus bekannten und an der jüdischen Struktur von Theologie und Lebenshaltung festhielten.

Die erste historisch nachweisbare christliche Gemeinde war die so genannte „Urgemeinde“ von Jerusalem, die aus „Judenchristen“ bestand. Diese – und auch andere frühchristliche Gemeinden – waren sehr unterschiedlich. Umstritten war zum Beispiel, ob die jüdischen Gesetze weiterhin zu gelten hätten, also ob etwa die Söhne zu beschneiden wären.

Man kann (aus christlicher Perspektive) das Judenchristentum als „Bindeglied zwischen Synagoge und Kirche“ betrachten: Es steht einerseits für die Verwirklichung der Versprechen Gottes aus dem Alten Testament in Christus, und andererseits für den bleibenden Anspruch Israels gegenüber der Kirche.

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