Hass auf homosexuelle Flüchtlinge – „Wir müssen die Gesellschaft von diesen Bazillen reinigen“


Foto: Imago | ZUMA Press
Da flüchtest du 3000 Kilometer—und am Ziel ist es fast genauso wie zu Hause: Homosexuelle Flüchtlinge, die sich in Deutschland outen? Kommt nicht in Frage. Denn sie haben immer noch Angst—und zwar vor den gleichen Leuten wie zu Hause.

Von Tobias Dammers|VICE.com

Im Netz, in Chats und bei Online-Dates nennt er sich Alex. Sein echter Name soll geheim bleiben. Denn Alex kommt aus Syrien, er ist ein Flüchtling und er ist schwul. Selbst hier im vermeintlich sicheren Deutschland traut sich Alex nicht, sich zu outen. Verstecken, Lügen, Angst: Es ist wie in Syrien.

Alex zu kontaktieren, ist nicht leicht. Es dauert mehrere Wochen, seine Handynummer zu bekommen und ein Treffen zu organisieren. Wir treffen uns dann irgendwann in Bochum.

Er ist ein kräftiger Typ. Anfang 30, braune Augen, sorgfältige Gelfrisur. Schlichte Jeans, dunkle Jacke. Türsteher-Statur. Trotzdem wirkt er auf mich schüchtern, fast scheu. Flüchtiger Händedruck. Alex ist vor dem Krieg aus Syrien geflohen—und weil seine Arbeitskollegen zufällig entdeckten, dass er schwul ist. Ein absolutes No-Go in seiner Familie. Vorher hatte er es verheimlicht. Jetzt musste er weg. Sofort.

Und in Deutschland? Verheimlicht er wieder. „Denn nach hier haben es auch viele Leute aus meinem Land geschafft. Und die bringen eben ihre Ansichten über Schwule mit. Die lehnen sie immer noch ab“, sagt Alex.

Während des Gesprächs hockt Alex auf der Vorderkante des Sofas. Er spricht leise und konzentriert, aber offen und ausführlich. Vor seiner Flucht hat er in Syrien Wirtschaftswissenschaften studiert und in einem Luxushotel für Touristen gearbeitet. Er hat sein eigenes Geld verdient und hin und wieder andere schwule Männer getroffen. In Syrien ist das illegal, laut dem Gesetz gelten homosexuelle Handlungen als „widernatürlich“. Im Machtbereich der Assad-Regierung drohen dafür bis zu drei Jahre Haft, im sogenannten Islamischen Staat sogar der Tod.

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