Die größten Dummheiten aus Jürgen Todenhöfers Buch ,Inside IS‘


Jürgen Todenhöfer im November bei Günther Jauch | Foto: Imago | Stefan Zeitz
Der Spiegel bringt in seiner aktuellen Ausgabe einen langen Bericht zu Jürgen Todenhöfers Reise in den Islamischen Staat (IS), der begründete Zweifel aufwirft, ob es sich beim darauf basierenden Bestseller Inside IS um ein sauber recherchiertes Werk handelt.

Von Christoph Giesa|VICE.com

Die Ergebnisse aus den Gesprächen mit einem Freund von Todenhöfers Sohn, Matthias Richter, der bei der Mission dabei war, überschreibt der Spiegel mit „Der Märchenonkel“. Richter gibt demnach zu, dass man auf menschenverachtende Aussagen in den Gesprächen geradezu gewartet habe und dankbar war, wenn sie fielen, anstatt—wie Todenhöfer es darstellt—die Terroristen dafür hart anzugehen. Richter schildert die reale Zensur durch den IS, von der Todenhöfer behauptet, es habe sie so nicht gegeben. Und Richter gibt auch zu, dass die Reise durch den IS eine geplante PR-Tour war. Todenhöfer lässt auf all diese Vorwürfe seinen Sohn reagieren, mit Tiraden gegen den ehemaligen Freund, aber ohne inhaltliche Belege. Nun steht Aussage gegen Aussage. Dabei ist eigentlich egal, ob es sich bei dem Buch nun um die Wahrheit oder nur um Todenhöfers Märchenversion davon handelt. Es ist nämlich auch so schon wirr genug. Hier ein paar Kostproben der größten Fehlschlüsse, Verzerrungen und Manipulationen aus Inside IS.

An allem sind die Amerikaner und der Westen schuld

Das dürfte sich als Grobzusammenfassung der meisten Bücher des Jürgen Todenhöfer eignen. In Inside IS erreicht der Versuch, alle Realität so umzudeuten, dass am Ende wieder das steht, wovon der Autor vorher schon überzeugt war, allerdings neue Höhen. Aus seiner Sicht ist der IS alleine „ein Kind des Irakkriegs 2003″—das steht im vierten Satz seines Buches (S. 9). „Terroristen verstehen ihre Anschläge als berechtigte Antwort auf die aggressiv ausbeuterische Politik der USA, die ihre Länder als amerikanische Tankstellen betrachten. Und dabei brutalste Methoden anwenden. Junge Muslime in Deutschland und im Irak sehen Tag für Tag, Jahr für Jahr, wie in Afghanistan, Pakistan, im Irak, Jemen, in Somalia oder Palästina muslimische Frauen, Kinder und Männer durch westliche Waffen, westliche Verbündete und westliche Soldaten schwer verletzt und getötet werden. Bis einige von ihnen irgendwann reagieren“ (S. 23), das ist eines der zahlreichen Zitate, das in diese Richtung geht. Dass die von ihm selbst (!) dokumentierten Gespräche mit den Dschihadisten teilweise eine ganz andere Sprache sprechen, ignoriert Todenhöfer dabei vollständig.

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