„Wer Tiere tötet, berührt das Geheimnis des Lebens“


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Bei der „Grünen Woche“ in Berlin präsentieren noch bis Sonntag mehr als 1.600 internationale Aussteller alles rund um Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau. Traditionell kommt es dabei zu Protesten von Tierschützern. Auch der katholische Theologe Rainer Hagencord mahnt als Leiter des weltweit ersten Instituts für Theologische Zoologie in Münster einen Perspektivwechsel im Umgang mit Tieren an. Im Interview der Katholischen Nachrichten-Agentur (KNA) am Mittwoch in Münster zeigt er sich vorsichtig optimistisch.

Von Sabine Kleyboldt|katholisch.de

Frage: Vor gut zwölf Jahren haben Sie mit Ihrer Dissertation theologische Argumente für eine neue Sicht der Tiere bereitgestellt. Stellen Sie einen Bewusstseinswandel fest?

Hagencord: Das sehe ich bei Studierenden. Anfangs haben viele die Beschäftigung mit den Tieren als „exotisches Zeug“ belächelt. Das hat sich sehr verändert. Unter jungen Menschen gibt es eine höhere Sensibilität. Das führe ich auch auf die Arbeit von engagierten Leuten in den Schulen, Gemeinden und Umweltverbänden zurück. Von daher geht von den jungen Leuten hier Bewegung aus. Das ist auch angemessen, denn die werden ausbaden müssen, was ihre Eltern und Großeltern anstellen mit unserer Natur.

Frage: Wie erklären Sie sich diese Entwicklung? Schließlich ist die Menschheit doch eher auf Unterhaltung, Ablenkung und Luxus gepolt.

Hagencord: Tatsächlich erlebe ich hier eine Ungleichzeitigkeit, denn der Hang zur Spaßgesellschaft besteht ja weiter. Dennoch steigt die Zahl derer, die sich nicht mehr in diesem Sinne amüsieren wollen. Das hat mehrere Ursachen. Vielen ist der Zusammenhang zwischen Klimawandel und Ernährung bewusst. Und für die meisten Verbraucher ist es nicht die Frage, ob es noch einmal einen Nahrungsmittelskandal gibt, sondern wann und wie. Die Art der industriellen Lebensmittelerzeugung und der Tierhaltung hat viele Leute wach gerüttelt.

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